Medium 8 [September 2001]

Endoprothetischer Ersatz
des Kniegelenkes

Autor: Dr. med. habil. Gerhard Heller
 
Die chirurgische Abteilung von Maria Heimsuchung Caritas-Klinik Pankow hat einen guten Ruf - national und international. Beispielsweise bieten wir nicht nur die Möglichkeit, bei der Behandlung traumatologischer Erkrankungen Unfallverletzte mit Trümmerbrüchen zu versorgen, sondern ebenso zerschlissene Gelenke mit deformierenden Veränderungen, besonders an Hüft- und Kniegelenken, zu behandeln. Neben den Weichteiloperationen versorgen wir diese Gelenke gleichfalls mit einem Kunstgelenk (= Gelenkersatz). Auch den endoprothetischen Ersatz des Kniegelenkes kann die Das Einbringen von Prothesen ist eine anspruchsvolle Operation, die von unseren erfahrenen Operateuren problemlos gemeistert wird.chirurgische Abteilung seit einigen Jahren leisten. Verschiedene Ursachen - wie Gelenkfehlstellungen, unfallbedingte Knochenveränderungen am Oberschenkel oder am Schienbeinknochen sowie alters- oder z. B. rheumatisch bedingter Gelenkverschleiß - können zu deutlichen Bewegungseinschränkungen und zunehmenden Beschwerden im Kniegelenk führen.
Nach Ausschöpfung aller konservativen Methoden (z. B. Physiotherapie oder medikamentöse Behandlung) ist in vielen Fällen der Einsatz eines künstlichen Kniegelenkes angezeigt. Ziel eines solchen Gelenkersatzes ist in erster Linie eine Minderung der Beschwerden und der Erhalt bzw. die Wiederherstellung einer alltagstauglichen Funktion des Knies und somit eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität.
Das Prinzip dieser Operation besteht in der Entfernung der zerstörten Gelenkstrukturen und im Ersatz durch Metall- bzw. Kunststoffkomponenten.
Es sind verschiedene Endoprothesen im Einsatz. Im Wesentlichen werden dabei zwei Gruppen unterschieden:

  1. Die unikondyläre Schlittenprothese: Es handelt sich hier um einen Teilgelenkersatz. Dabei wird jeweils lediglich der innere oder äußere Gelenksanteil durch Implantate ersetzt. Gelenkseigene Bandstrukturen sowie der jeweils andere Gelenksabschnitt bleiben erhalten. Dieses Verfahren kommt allerdings nur in Ausnahmen und bei streng einseitigem Gelenksverschleiß zur Anwendung.
  2. Der bikondyläre Gelenksersatz: Hierbei werden wiederum unterschieden:
    1. Der ungekoppelte bikondyläre Kniegelenksersatz (Oberflächenersatz) Beide Gelenksanteile werden unter teilweisem Erhalt der gelenkseigenen Bandstrukturen ersetzt. Die Stabilität wird nach wie vor vorrangig durch den eigenen Muskel-Band-Apparat gewährleistet.
    2. Der gekoppelte bikondyläre Kniegelenksersatz (achsgeführt) Bei schwersten Gelenksdeformitäten mit unzureichender Festigkeit des Bandapparates wird diese Prothesenart mit spezieller Führungskonstruktion benutzt.

Der operative Eingriff erfolgt in rückenmarksnaher Narkose (Spinalanästhesie) oder Vollnarkose. In vielen Fällen haben die Patientinnen und Patienten die Möglichkeit der Eigenblutspende vor der geplanten Operation. Damit kann der Einsatz von Fremdblutübertragung deutlich reduziert werden. Zur Vermeidung einer Thrombose werden entsprechende Medikamente (wie Heparin) verabreicht. Außerdem wird auf eine rasche Mobilisierung großer Wert gelegt. (Bereits einen Tag nach der Operation wird deshalb schon mit vorsichtiger Bewegungstherapie durch Physiotherapeuten begonnen). Unmittelbar nach der Operation ist eine intensive Kühlung zur Schmerztherapie und zum Abschwellen der Weichteile notwendig. Ab dem zweiten Tag nach dem Eingriff beginnt bereits die Gangschule an zwei Unterarmstützen unter Teilbelastung des operierten Beines. Wir empfehlen die Benutzung der Gehhilfen für insgesamt sechs Wochen.
Zum Operationserfolg trägt auch die intensive physiotherapeutische Nachbehandlung (Gangschule, Muskelkräftigung) bei. In der Regel wird eine Anschlussheilbehandlung beantragt. Über die konkreten Operationsbedingungen und -besonderheiten (wie auch Komplikationsmöglichkeiten) wird Sie in jedem Falle Ihr Arzt vor der Operation informieren.
Darüber hinaus können Sie gern unsere Beratungssprechstunde für Sport- und Gelenktraumatologie und Manualtherapie konsultieren. Hierzu vereinbaren Sie bitte einen Termin unter der Rufnummer: (030) 47517-345.