Medium 42 [März 2010]
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Die Wiederherstellung der Handfunktion

Operation der Dupuytren-Erkrankung

Dr. med. Wladimir Wilk
Oberarzt der Abteilung Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie – Minimal Invasive Chirurgie

 

Nicht selten kommen Patienten in unsere Handsprechstunde und zeigen besorgt ihre Handflächen mit Knotenbildungen und Strängen, die die Finger in Beugestellung fixieren. Durch zunehmende hakenförmige Fingerstellung wird ihr alltäglicher Handgebrauch immer eingeschränkter und schwieriger: Sie können nicht ungehemmt die Hand zu Begrüßung reichen, sich nicht rasieren oder das Autolenkrad halten, Handschuhe bekommen sie nicht mehr an. Häufig ist die Symptomatik auch bei Eltern oder Geschwistern aufgetreten (Siehe Abb.1).

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Abb. 1: Linke Hand eines männlichen Patienten mit einer Kontraktur des Ringfingers.

Männer erkranken dabei häufiger als Frauen und zeigen durchschnittlich zehn Jahre früher (im 4. bis 5. Dezennium) die ersten Symptome. Die Veränderungen schreiten über mehrere Jahre in Schüben voran und sind durch konservative Maßnahmen nicht aufzuhalten. Ursache ist eine Gewebezunahme bei gleichzeitiger Kontraktion und Verhärtung (bezeichnet als Fibrose) der sich fächerartig in der Innenhand ausspannenden Sehnenplatte, der Palmaraponeurose. Diese Erkrankung ist seit über 400 Jahren bekannt und müsste korrekter Weise nach dem in London geborenen Chirurgen Henry Cline (1750 – 1827) benannt werden, der diese zur Fingerkontraktur führenden Fibrose der Palmaraponeurose 1777 als erster beschrieben und die therapeutische Strangdurchtrennung vorgeschlagen hat. Durch die damals öffentlichkeitswirksamere französische Fachpresse erhielt diese Erkrankung aber den Namen des (im Jahr der Krankheitserstbeschreibung immerhin geborenen) Baron Guillaume Dupuytren (1777 – 1835), der sich als Chirurg am Hôtel-Dieu in Paris mit dem Thema befasste und am 12. Juni 1831 erfolgreich erstmals eine Resektion der krankhaften Palmaraponeurose vorgenommen hat. Die schon damals richtig beschriebene Pathologie, die Fibromatose der Palmaraponeurose, und die Möglichkeit der operativen Behandlung durch Resektion ist auch heute noch Grundlage des chirurgischen Vorgehens. Die gesammelten Erfahrungen zeigen aber, dass das operative Vorgehen stadiengerecht und dem sehr variablen individuellen Befund angepasst werden muss. Ein zu frühes Operieren ist ebenso wenig hilfreich wie die zu ausgedehnte Resektion oder die Entfernung von niemals zur Kontraktur führenden Anteilen der Palmaraponeurose. Durch die etablierte standardisierte handchirurgische Technik führen wir heute die Behandlung sehr erfolgreich und komplikationsarm durch.

Das gewucherte Gewebe wird durch meist zick-zackförmige Hautschnitte in der Hohlhand und an den entsprechenden Fingern freigelegt und unter Schonung der übrigen Strukturen (Gefäß-Nerven-Bündel, Beugesehnenapparat) entfernt. Zusätzlich kann eine fixierte Beugefehlstellung an den Fingermittelgelenken die Einkerbung verkürzter Seitenbänder und von Gelenkkapselanteilen erforderlich machen (die so genannte Arthrolyse).

Die Operation dauert etwa zwei Stunden und wird am günstigsten in Leitungsanästhesie (Injektion des örtlich wirkenden Betäubungsmittels in die Nähe der zum Arm ziehenden Nerven) durchgeführt, die absolute Schmerzfreiheit garantiert und deren Wirksamkeit auch viele Stunden nach der Operation zu einer sehr guten postoperativen Schmerzfreiheit führt (Siehe Abb. 2). Bei gegebener häuslicher Betreuung ist eine stationäre Krankenhausaufnahme nicht nötig, man kann als ambulanter Patient am Tag der Operation die Klinik wieder verlassen. Es folgt dann bei uns in der handchirurgischen Verbandssprechstunde die unbedingt notwendige Nachbetreuung bis zum Behandlungsabschluss (6 bis 12 Wochen).

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Abb. 2: Die Hand nach der Operation. Die Behandlung ist sehr erfolgreich und komplikationsarm.

Neben regelmäßigen Verbandswechseln sind von Anfang an Bewegungsübungen und selten auch Schienenanlage zum Erhalt des Operationsergebnisses, besonders der Fingerstreckfähigkeit, notwendig. Die operierte Hand kann trotz angelegtem Verband zu leichten Tätigkeiten eingesetzt werden. Nach zwölf Wochen ist der Heilungsprozess überwiegend abgeschlossen, sind die Operationsnarben nur noch wenig zu sehen und die anfänglich erhöhte Empfindlichkeit von Hautarealen hat sich normalisiert.

Ist dem Patienten eine Operation nicht zumutbar, so kann in ausgesuchten Fällen die einfache Strangdurchtrennung in örtlicher Betäubung (Nadelstichmethode) die Fingerstreckfähigkeit vorübergehend wiederherstellen.

Ein Erkrankungsrezidiv ist leider bei manchen Patienten auch nach gründlicher Operation nicht auszuschließen; dann ist ein erneuter Eingriff erforderlich. Denn die Operation kann nur erkranktes Gewebe, aber nicht die zur Fibromatose führende, vererbte Zellstoffwechselstörung mit fehlerhafter Kollagenbildung (Stützsubstanz aus faserförmigem Eiweiß) beseitigen. Zusätzliche Faktoren wie schwere Handarbeit, Diabetes mellitus, HIV oder Alkoholmissbrauch können den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen.

Epidemiologische Studien weisen mit dem deutlich häufigeren Auftreten der Dupuytren-Erkrankung bei Nordeuropäern (in Norwegen haben im höheren Alter Frauen zu 25 Prozent und Männer zu 40 Prozent eine Dupuytren-Kontraktur) auf die genetische Disposition für diese Erkrankung hin: Möglicherweise sind nur Nachfahren der Kelten und Wikinger von der Dupuytren- Erkrankung betroffen. Zur Operationsnotwendigkeit und zum weiteren Ablauf beraten wir Sie gern in unserer regelmäßigen Handsprechstunde.
 

glossar

  • Fibromatose Neubildung von Bindegewebe
  • konservativ (lat.) erhaltend
  • Kontraktur Zusammenziehung
  • Resektion Operative teilweise Entfernung eines Organs oder Körperteils
  • Pathologie Krankheitsherkunft, -verlauf und -folgen
  • Rezidiv Wiederauftreten („Rückfall“) einer Krankheit
  • Disposition Anfälligkeit für das Auftreten von Krankheiten