Medium 40 [September 2009]
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Neueste Diagnosegeräte in der Radiologie

Bester Durchblick

Dr. med. Asmus Heinrich
Chefarzt der Abteilung Radiologie

 

Die Radiologie ist wie kaum ein anderes Fachgebiet Spiegel der technischen und wissenschaftsbasierten Erneuerungen in der Medizin. Auch in unserem Hause haben sich in den letzten Monaten geradezu revolutionäre Veränderungen getan. Die Radiologie arbeitet nunmehr komplett filmfrei, Chemikalien werden nicht mehr gebraucht und Röntgentüten mit großem Raumbedarf können wegfallen. Dies bedeutet in Zahlen, dass im Jahr die Kosten für rund 30.000 Filme und Röntgentüten sowie die zur Entwicklung und Fixierung erforderlichen Chemikalien entfallen. Die konventionellen Röntgenbilder der Lunge und anderer Organe wie der Knochen entstehen jetzt an dem neu installierten Aristos FX Plus der Firma Siemens (siehe Abb. 2).

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Abb. 1: Das neu installierte AXIOM Iconos R200 ist ein Obertisch-
Durchleuchtungssystem für universelle Anwendungen.

Das neue Gerät ist multifunktional, deckenmontiert und mit einem Flachdetektor ausgestattet. Es überzeugt durch ein ergonomisches Bedienkonzept, ausgezeichnete Netzwerkfähigkeit sowie exzellente Bildqualität bei äußerst geringer Strahlendosis. Bereits bei Anmeldung der Untersuchungsart positioniert sich das computergesteuerte Radiographie-Gerät automatisch in die für den Patienten erforderliche und bestmögliche Aufnahmeposition.

Für die Durchleuchtungsuntersuchungen, also das Betrachten und Diagnostizieren von physiologischen Vorgängen wie dem Schluckakt oder dem angiographischen Venenbild, verfügt unser Haus jetzt über den AXIOM Iconos R200, ein modular fernbedienbares Obertisch- Durchleuchtungssystem für universelle Anwendungen (siehe Abb. 1). Das Gerät erlaubt Bildfrequenzen von bis zu acht Bildern pro Sekunde und ermöglicht damit auch die Beurteilung von sehr schnellen physiologischen Vorgängen (zum Beispiel Kehlkopfbewegungen beim Schluckakt) und minimiert Bildstörungen bei unruhigen Patienten.

Die digitale Radiologie hat die Kommunikation in unserer Klinik entscheidend verbessert. Seitdem der Röntgenfilm ausgedient hat, sind die Informationen (Befunde, Arztbriefe, Rettungsstellenprotokolle, Vorbefunde) rund um den Patienten wesentlich dichter geworden. Passend zu den neuen digitalen Röntgengeräten haben wir ein Bildarchivierungs- und Kommunikationssystem (PACS) und ein Röntgeninformationssystem (RIS) eingerichtet. Das PACS verarbeitet die großen Mengen der digitalen Bilddaten, verwaltet sie in einer Datenbank und exportiert die Daten an andere Systeme. Im RIS sind nicht nur alle Befunde, sondern auch der gesamte übrige Schriftwechsel gespeichert. Der Archivserver des PACS hat eine riesige Kapazität von über sieben Terabyte im Langzeitspeicher und etwas mehr als zwei Terabyte für laufende Anwendungen. Röntgenbilder aus dem Archiv sind innerhalb weniger Sekunden für die berechtigten Ärzte auf dem Bildschirm zugänglich.

Unsere Abteilung betreut pro Jahr rund 10. 000 Patienten. Dies bedingt auch einen hohen Wartungsaufwand der effektiv genutzten Geräte. Dazu haben wir mit den Herstellerfirmen langfristige Verträge geschlossen, die ausschließlich mit Original-Ersatzteilen arbeiten und damit auch künftig die Patientensicherheit gewährleisten. Durch die Einführung der digitalen Radiographie hat sich auch der „workflow“ in der Abteilung verändert. Sofort nach der Untersuchung kann der Röntgenarzt die Bilder auf den hoch auflösenden Monitoren der PACSDiagnoseworkstations betrachten. Die Assistentin kann den Patienten während der gesamten Aufenthaltszeit im Röntgen begleiten. Verlust von radiologischem Bildmaterial ist ausgeschlossen.

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Abb. 2: Der Aristos FX plus der Firma Siemens bietet eine exzellente
Bildqualität bei äußerst geringer Strahlendosis.

Fünf Befundungs-Computer und zwei Demonstrationsanlagen ermöglichen Befundung und tägliche Falldemonstrationen. Weitere zahlreiche Terminals sind im Hause vernetzt. Bildstationen stehen in Arbeitszimmern der Ärzte, im Operationssaal, in der Notaufnahme und auf den Stationen.
Aufgrund der digitalen Bildbetreuung können wir nunmehr Bilddaten anderer Abteilungen in die Befundung integrieren: Bilder aus der Kardiologie (Herzkatheter), der Inneren Klinik (ERCP – endoskopische retrograde Cholangio-Pankreatikographie) und aus der Chirurgie (traumatologische Durchleuchtungsbilder) stehen dem Radiologen zur Befundung ergänzend zur Verfügung. Die Erstellung der Aufnahmen wird für die Röntgenassistentinnen einfacher. Das digitale Radiographie-Gerät kann in eine Standard-Aufnahmeposition entsprechend der Röntgenverordnung und der Leitlinien vorpositioniert werden. Das gewährleistet Schnelligkeit der Untersuchungen und Vergleichbarkeit für Krankheitsverläufe durch immer wiederkehrende gleiche Untersuchungspositionen. Zeitnahes Untersuchen in hoher Qualität ist vor allem in der Notaufnahme und der Intensivpflege wichtig; Wiederholungsaufnahmen fallen nicht mehr ins Gewicht. Die Vernetzung in der digitalen Radiographie wird auch krankenhausüberschreitend genutzt. Die digitalen Bilder lassen sich sehr leicht im Rahmen der Teleradiologie an andere Häuser versenden – so konnten wir einen fachlichen Austausch, beispielsweise mit der Charité, etablieren. Unsere Patienten können nunmehr nach Genesung einen digitalen Datenträger erhalten, die Bilder auf jedem PC betrachten oder ihrem weiterbehandelnden Hausarzt komfortabel zur Verfügung stellen.
 

glossar

  • angiographisch die Darstellung von Blutgefäßen betreffend
  • PACS Picture Archiving and Communication System. Bildarchivierungs- und Kommunikationssystem auf der Basis digitaler Rechner und Netzwerke
  • RIS Radiologisches Informationssystem. EDV-System zur Dokumentation und Verwaltung medizinischer und administrativer Daten in der Radiologie
  • ERCP Endoskopisch retrograde Cholangio-Pankreatiko-Graphie. Röntgenuntersuchung der Gallengänge (cholangio), der Gallenblase und des Bauchspeichel-Drüsengang-Systems (pankreatiko) mit Hilfe von Röntgen-Kontrastmitteln und einem Spezialendoskop