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Medium 39 [Juni 2009]
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DünndarmdiagnostikDie Reise ins Ich |
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| Dr. med. Christoph Becker Facharzt der Abteilung Innere Medizin – Gastroenterologie, Diabetologie und Allgemeine Innere |
Ein Endoskop ermöglicht die Inspektion einer Körperhöhle am Menschen. Im 19. Jahrhundert bestanden die ersten Endoskope aus einem starren Metallrohr, einer Kerze als Lichtquelle und einem Spiegelsystem zur Bildübertragung nach außen. Eine zu damaliger Zeit durchgeführte Endoskopie wird für den betreffenden Patienten eine eher unangenehme und gesundheitlich nicht sehr nützliche Angelegenheit gewesen sein.
Insbesondere in den letzten 50 Jahren machte die Entwicklung der Endoskopie enorme Fortschritte. Die Endoskope wurden zunehmend dünner und flexibler, die Bildqualität verbesserte sich und der Patientenkomfort stieg mit der Entwicklung neuer Sedativa. Die Spiegelung des Magens, des Dickdarms, des Bronchialsystems und der Gallenwege erscheint heute als selbstverständlich und ist aus der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken. So können zum Beispiel Magengeschwüre mit der Gastroskopie und Dickdarmpolypen mit der Koloskopie aufgespürt und einer Therapie zugeführt werden. Die Bronchoskopie ermöglicht das Absaugen von Bronchialschleim zur Therapie einer Lungenentzündung sowie eine genaue Diagnostik von Lungentumoren. Selbst die Entfernung von eingeklemmten Gallensteinen aus dem nur wenige Millimeter messenden Gallengang stellt kein großes Problem mehr dar. Nur der Dünndarm blieb lange Zeit eine „black box“. Erst mit der vor etwa zehn Jahren etablierten Kapselendoskopie gelang es, den Dünndarm mit einer hohen Aussagekraft über seine gesamte Länge von vier bis sechs Metern einzusehen.
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Die Kapsel ist nur 26mm lang und 11mm breit; sie enthält eine Batterie, einen Sender, eine Lichtquelle sowie eine Chip-Kamera. |
In der Regel wird vor der Untersuchung eine Darmreinigung ähnlich der Vorbereitung für eine herkömmliche Darmspiegelung durchgeführt. Die Kapsel ist nur 26 Millimeter lang und 11 Millimeter breit; sie enthält eine Batterie, einen Sender, eine Lichtquelle sowie eine Chip-Kamera. In der Regel ist das Schlucken der Kapsel kein Problem. Die natürliche Peristaltik sorgt für den Transport durch den Darm. Zwei bis drei Stunden nach Einnahme der Kapsel kann der Patient etwas Wasser zu sich nehmen und nach weiteren zwei bis drei Stunden wieder essen.
Während der ungefähr neunstündigen Aufzeichnungszeit bei ihrem Weg durch den Darm sendet die Kapsel Bilder mit einer Frequenz von zwei Bildern pro Sekunde über auf dem Bauch aufgeklebte Elektroden an ein Aufzeichnungsgerät. Während der Untersuchung kann sich der Patient völlig frei bewegen. Die Kapsel wird auf natürlichem Wege über den Darm ausgeschieden und nicht wieder verwendet. Die aufgezeichneten Bilder werden später über eine Software als Film dargestellt, den ein endoskopisch erfahrener Arzt auf pathologische Veränderungen durchmustert.
Es gibt auch andere Verfahren: Computertomographie und Magnetresonanztomographie, Angiographie der Darmgefäße (bei Blutungen) und Ultraschall. Diese Verfahren haben auch heute bei bestimmten Fragestellungen noch ihren Stellenwert; sie können jedoch den Dünndarm oft nur unzureichend darstellen. Außerdem ist meist eine Kontrastmittelgabe erforderlich (Computertomographie und Angiographie), die ihrerseits für den Patienten ein Risiko sein können.
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Während ihres Weges durch den Darm sendet die Kapsel Bilder an ein Aufzeichnungsgerät. |
Nachdem Erkrankungen des Dünndarms durch die Kapselendoskopie sichtbar gemacht wurden, muss man die entdeckte Entzündung mittels Biopsie genauer diagnostizieren, um eine Blutung bei Gefäßfehlbildungen endoskopisch zu stillen. Die Ballon-Enteroskopie ermöglicht ein Auffädeln des Dünndarms auf ein spezielles Endoskop und so eine komplette Darstellung des Dünndarms. Der entscheidende Vorteil der Ballon-Enteroskopie liegt in der Möglichkeit, Schleimhautproben zu entnehmen und Blutungsquellen zu behandeln. Die Methode ist allerdings eine langwierige Untersuchung mit verschiedenen Risiken, weshalb nach Möglichkeit vorher die risikoärmere Kapselendoskopie erfolgen sollte.
Die Kapselendoskopie gilt heute als sicheres und wenig belastendes diagnostisches Verfahren. Das Steckenbleiben der Kapsel stellt die wichtigste – wenn auch selten auftretende – Komplikation dar. Hierfür sind Verengungen des Magen-Darm-Traktes unterschiedlicher Ursache verantwortlich. Komplikationen solcher Art können in der Regel durch eine genaue Befragung und körperliche Untersuchung im Vorfeld vermieden werden. Falls es dennoch zum Steckenbleiben der Kapsel kommt, kann diese entweder mittels Ballon- Enteroskopie oder mittels Operation entfernt werden. Mit einer Operation kann in der Regel gleich die Engstelle des Magen-Darm-Traktes beseitigt werden.
Bei der Kapselendoskopie und der Ballon-Enteroskopie werden vorab Magen- und Darmspiegelungen vorgenommen. Kapselendoskopie und Ballon- Enteroskopie können die herkömmliche Magen- und Darmspiegelung nicht ersetzen, diese aber wesentlich ergänzen. Beide Methoden werden insbesondere bei Dünndarmblutungen oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen in unserer Klinik angewendet.
glossar
- Endoskop Rohr mit einer Lichtquelle und kleinen optischen Vorrichtungen zur Untersuchung innerer Organe
- Sedativa Beruhigungsmittel
- Gastroskopie Magenspiegelung
- Polyp Geschwulst der Schleimhaut
- Koloskopie Darmspiegelung
- Angiographie Darstellung von Blutgefäßen mit Hilfe diagnostischer Bildgebungsverfahren wie Röntgen oder Magnetresonanztomografie
- Kontrastmittel Lösungen, die die Darstellung von Strukturen und Funktionen des Körpers in bildgebenden Verfahren verbessern
- Biopsie Entnahme und Untersuchung von organischem Material
- Ballon-Enteroskopie Darmspiegelung mit einem längerem und flexiblen Endoskop und einem aufblasbaren Ballon zur Erweiterung von Gefäßen und Organen



