Medium 38 [März 2009]
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Die Kniegelenk-Endoprothese

Hilfe bei Gelenkverschleiß

Dr. med. Ralf Wegner
Leitender Oberarzt der Abteilung Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie – Minimal Invasive Chirurgie, Bereich Orthopädie und Unfallchirurgie

 

Frau M. (68 Jahre) stellt sich mit zunehmenden Schmerzen im Knie in unserer unfallchirurgisch- orthopädischen Sprechstunde vor. Die rüstige Dame versorgt den Haushalt für sich und ihren Mann, erledigt jeden Tag den Einkauf zu Fuß und geht leidenschaftlich gern spazieren. Jedoch verleiden ihr die Schmerzen im Knie zunehmend das Gehen. Morgens nach dem Aufstehen und nach längerem Sitzen sei es am schlimmsten, Treppensteigen sei sehr beschwerlich. Mittlerweile könne sie kaum noch aus dem Haus gehen.

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Röntgenbild des Kniegelenks mit starken Abnutzungserscheinungen und erheblicher Gelenkspaltverschmälerung.

Die Röntgenbilder (siehe Abb.) zeigen starke Abnutzungserscheinungen und eine erhebliche Gelenkspaltverschmälerung. In erster Linie ist der Abnutzungsprozess eine normale Begleiterscheinung des Alters. Der Gelenkknorpel wird zunehmend abgerieben, bis letztendlich Knochen auf Knochen reibt. Der krankhafte Gelenkverschleiß wird als Arthrose bezeichnet. Er wird durch Verletzungen, Unfälle, Fehl- und Überbelastungen, Übergewicht und Bewegungsmangel beschleunigt. Diese Verschleißerscheinungen führen zu Schmerzen, zu einer Beeinträchtigung der Beweglichkeit des Gelenkes und schränken somit die Lebensqualität ein. Auf der anderen Seite steigen die Lebenserwartung und das Aktivitätsniveau der heutigen Bevölkerung kontinuierlich an. Und auch in höherem Alter möchte man noch körperlich fit und mobil bleiben.

Frau M. wird von uns über mögliche Therapieoptionen ausführlich aufgeklärt, aufgrund des sehr weit fortgeschrittenen Gelenkverschleißes empfehlen wir ein künstliches Gelenk, eine Endoprothese. Gelenkersatzoperationen zählen heute zu den Standardeingriffen in der Orthopädie. Allein in Deutschland werden jährlich rund 90.000 künstliche Kniegelenke eingesetzt.

Hat sich die Patientin für die Knieprothese entschieden, führen wir in unserer prästationären Sprechstunde die Vorbereitungen für die Operation durch und stellen die Patientin dem Anästhesisten vor. Er untersucht und berät die Patientin ausführlich über ein schonendes und für sie am besten geeignetes Narkoseverfahren und bespricht mit ihr den Einsatz eines Schmerzkatheters zur Ausschaltung der Schmerzen in den ersten Tagen nach der Operation. Die stationäre Aufnahme erfolgt dann erst unmittelbar vor der Operation.

Bei der Operation werden das Kniegelenk von vorn über einen Längsschnitt eröffnet und der oberflächlich zerstörte Knochen und die Knorpelreste entfernt. Der verbleibende Knochen wird mit speziellen Instrumenten so geformt, dass die Beinachsen exakt ausgerichtet sind und die Teile des künstlichen Kniegelenks passgerecht sitzen. Diese werden mit einem speziellen Zement am Knochen fixiert, oder der Knochen wächst – bei der zementfreien Verankerung – an die speziell strukturierte Prothesenunterseite an.

In Abhängigkeit vom Grad der Zerstörung des Kniegelenks wird der Prothesentyp ausgewählt: Betrifft der Verschleiß nur eine Hälfte der Gelenkfläche, wird auch nur diese eine Hälfte ersetzt und eine so genannte Schlittenprothese verwendet. Ist die gesamte Gelenkfläche betroffen, wird ein totaler Gelenkersatz implantiert, eine bicondyläre Prothese. Hierfür müssen die Bänder intakt sein und eine stabile Bandführung des Kniegelenks bestehen. Man spricht bei dieser Prothesenform auch von einem Oberflächenersatz, da lediglich die Gelenkoberflächen ersetzt werden. Die Prothesen stehen in verschiedenen Größen zur Verfügung, um sie den gegebenen anatomischen Verhältnissen optimal anpassen zu können. Die mittlerweile bei jeder Firma angebotenen Zwischengrößen, und hiervon wiederum die schlanken Formen, werden teilweise werbewirksam als Frauenknie vermarktet (siehe Abb.).

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Moderne Kniegelenk-Endoprothese.

Wenn die Kniegelenksbänder nicht mehr ausreichend stabil oder sogar zerstört sind, werden gekoppelte Prothesen verwendet. Dabei werden die Prothesenteile über einen zentralen Stift, der drehbar gelagert ist, geführt. Bei starker Knochenzerstörung werden die Prothesenteile aus Einzelkomponenten modular zusammengesetzt. Die Verankerung im Knochenschaft erfolgt über Prothesenstiele, die entsprechend der vorliegenden Anatomie ausgewählt werden.

Die Entwicklung der Endoprothesen hat in den letzten Jahrzehnten erhebliche Fortschritte gemacht. Modernste Werkstoffe, optimiertes Design und Fortschritte in der Befestigungstechnik haben dazu beigetragen, die künstlichen Gelenke noch stabiler, sicherer und vor allem noch dauerhafter zu machen und diese auch langfristig am Knochen zu verankern. Der von uns verwendete Prothesentyp hat in großen internationalen Langzeitstudien über 25 Jahre seine Sicherheit und seine Haltbarkeit bewiesen. Die verwendeten Materialien und das Handling der Instrumente wurden jedoch laufend verbessert.

Frau M. hat die Operation gut überstanden. Bereits am Folgetag beginnt sie mit Bewegungsübungen und der Mobilisation. Sie lernt mit einem speziell zusammengestellten Übungsprogramm, das Kniegelenk wieder in vollem Umfang zu bewegen, die Muskeln zu trainieren und schmerzfrei zu laufen.

Ihre Fragen richten Sie bitte an: Abteilung Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie – Minimal Invasive Chirurgie Tel. 4 75 17-345

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