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Medium 37 [Dezember 2008]
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Sanfte Wendung bei BeckenendlageGeburtshilfe |
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| Dagmar Kölbel Oberärztin der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe |
Zum Ende der Schwangerschaft liegen drei bis vier Prozent aller Kinder in Beckenendlage (BEL), das heißt, nicht der Kopf – wie bei der meist anzutreffenden Schädellage –, sondern Steiß oder Steiß und Füße sind die vorangehenden Körperteile des Kindes.
Die vaginale Geburt aus der Beckenendlage ist gut möglich – sie wird in unserer Klinik seit Jahrzehnten angeboten und mit viel Erfahrung durchgeführt. Die Empfehlung zur vaginalen BEL-Entbindung erfolgt nach sorgfältiger Abwägung der kindlichen Größe im Verhältnis zum mütterlichen Becken und dem Ausschluss komplizierender Geburtsrisiken. Dennoch ist die Rate der geplanten Kaiserschnittentbindungen höher als bei Kindern in Schädellage, zum Beispiel beim großen Kind oder bei schmalem mütterlichem Becken, oder weil durch einseitige Information und Verunsicherung für die Eltern nur der Kaiser - schnitt als Entbindungsform in Frage kommt.
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Die äußere Wendung des Kindes in die Schädellage ist eine alte geburtshilfliche Maßnahme. Schon zu Zeiten von Hippokrates im 4. Jahrhundert v. Chr. gab es Hinweise, dass man das Kind in der Gebärmutter drehen konnte. Die Gefahrenmomente waren damals sicherlich beträchtlich. Heute ist die äußere Wendung durch die modernen Überwachungsmöglichkeiten wie die kindliche Herztonaufzeichnung und die Ultraschallkontrolle sicher.
Als bestgeeigneten Zeitpunkt sehen wir drei Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin an, denn bis dahin dreht sich ein Teil der Kinder von allein in die Schädellage. Ab der 32. Schwangerschaftswoche (SSW) werden alternative Methoden wie Beckenhochlagerung (indische Brücke), Licht- und Musikreize, Akupunktur oder Moxibustion durch die geburtsvorbereitenden Hebammen angeboten.
Die Rate der spontanen Drehungen in die Schädellage liegt in den letzten dreiWochen bei zwölf Prozent, die Erfolgswahrscheinlichkeit einer äußeren Wendung beträgt gemäß der Fachliteratur 60 Prozent.
Wir führen bei Beckenendlage des Kindes in der 36. SSW mit den Eltern ein ausführliches beratendes Gespräch zur Geburtsplanung durch. Nach Ultraschalluntersuchung zu Größe und Lage des Kindes erfolgt bei entsprechenden Voraussetzungen die Empfehlung zur äußeren Wendung mit Erläuterung des Ablaufes und der Demonstration der geburtshilflichen Handgriffe.
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Masha bei einer Rolle vorwärts. Sie wurde 17 Tage später aus Schädellage geboren. |
Entscheiden sich die Eltern für einen Wendungsversuch, so erfolgt dieser zu einem vereinbarten Termin jenseits der 37. SSW im Kreißsaal unseres Hauses. Der Partner oder eine andere Begleitperson sind dabei willkommen.
Die äußere Wendung erfolgt durch zwei Ärzte unserer geburtshilflichen Abteilung. Nach entsprechender Vorbereitung (Ultraschall, CTG, Lagerung im Kreißsaalbett) wird zunächst der Steiß des Kindes langsam aus dem Becken der Mutter geschoben und das Kind in die Schräglage gebracht. Dann wird es durch wiegende Bewegungen in die Schädellage geschaukelt, indem eine Person die Hände am Steiß und die andere am Kopf des Kindes führt. Vorstellbar ist dies als Rolle vorwärts oder Rolle rückwärts.
Oft können die Mütter schon anhand der von ihnen beobachteten Kindsbewegungen beschreiben, welche Richtung das Kind selbst probiert – natürlich bevorzugen wir diese dann auch. Lässt sich die Rolle vorwärts nicht ausführen, wird die Rolle rückwärts versucht (und umgekehrt). Folgt das Kind auch dann nicht nach, wird der Wendungsversuch abgebrochen. Das geschieht natürlich auch, wenn die Wendung der Mutter zu unangenehm erscheint oder das Kind sich nach unserem Eindruck gegen die Manipulation wehrt. Vor, während und nach dem Wendungsversuch wird das kindliche Befinden anhand der Herztonkurve kontrolliert.
Selbstverständlich ist bei einer auftretenden Gefahrensituation eine sofortige Kaiserschnittbereitschaft gegeben. Die von uns durchgeführte Methode ist risikoarm. Nach unserer Erfahrung hängt der Erfolg der Wendung nicht von der aufgewendeten Kraft, sondern vielmehr vom Einfühlungsvermögen dem Kinde gegenüber ab.
In den vergangenen sechs Jahren wurden in unserer Klinik 260 Wendungsversuche bei Beckenendlagen sowie Quer- und Schräglagen durchgeführt. Dabei konnten wir den Erfolg nach unseren Erhebungen von 53 Prozent im Jahr 2003 auf 67 Prozent im Jahr 2007 steigern. Die Quote der spontanen Rückdrehungen in die Beckenendlage betrug zwei Prozent.Wir konnten bei mehr als 100 Frauen einen geplanten Kaiserschnitt verhindern und ihnen damit die Chance auf eine selbstbestimmte Entbindung sowie das Geburtserlebnis für Mutter und Kind geben.
Anmeldung zu einem Beratungsgespräch bei Beckenendlage über den Kreißsaal Tel. 4 75 17-444
glossar
- Kindslage bezeichnet sich nach dem vorangehenden Körperteil des Kindes
- CTG Kardiotokogramm – Aufzeichnung der kindlichen Herztonkurve sowie derWehenaktivität
- Moxibustion Erwärmung von Akupunkturpunkten durch abbrennende Beifußfasern – als Methode der Akupunktur gleichrangig
- BEL Beckenendlage
- SSW Schwangerschaftswoche



