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Medium 35 [Juni 2008]
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Moderne DickdarmdiagnostikComputertomographie |
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| Dr. med. Asmus Heinrich Chefarzt der Abteilung Radiologie |
Das Interesse der Öffentlichkeit an Dickdarmerkrankungen ist geprägt von der Tatsache, dass Darmkrebs die zweithäufigste Krebsneuerkrankung in Deutschland ist. Es besteht eine bewiesene erbliche Komponente der Erkrankung, die jährlich in Deutschland etwa 70.000 Menschen betrifft. Davon erkranken mehr als 20.000 Patienten bereits in jungen Jahren aufgrund der familiären Disposition.
Auch die Ärzte unserer Klinik stehen täglich vor der Aufgabe, möglichst frühzeitig krankhafte Prozesse des Darms zu erkennen und damit heilen zu können. Seitdem in unserer Klinik ein hochmoderner 16-Zeilen- Computertomograph (CT) installiert wurde, können wir für unsere Patienten eine weitere Untersuchung zum Ausschluss krankhafter Prozesse des Darms anbieten.
Mitte der 90er-Jahre wurde zum ersten Mal die so genannte „Virtuelle Kolonoskopie“ in der Wissenschaft beschrieben. Darunter versteht man die radiologische Untersuchung des Dickdarms, also der letzten 1,5 Meter des Darms, mit Hilfe von Schnittbildern. Der Dickdarm wird ohne Vorschieben eines Darmrohres, also nicht invasiv, dargestellt. Möglich wird dies durch sehr schnelle Untersuchungstechniken am modernen 16-Zeilen-Computertomographen, die den Darm in wenigen Sekunden in voller Länge darstellen, ohne dass es zu Bildstörungen durch die Eigenbewegung des Darms kommt.
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Darstellungsmöglichkeiten des Dickdarms im Computerprogramm |
Der Nachteil der Untersuchung besteht in der Belastung des Patienten mit Röntgenstrahlung. Diese von Patienten dennoch häufig gewünschte Untersuchung wird nur dann in unserem Hause zur Anwendung gebracht, wenn nach dem Stand des ärztlichen Wissens und der Empfehlungen der radiologischen Fachgesellschaften ein hoher positiver oder negativer Vorhersagewert besteht. Die virtuelle Kolonoskopie ist derzeit noch nicht für Routineuntersuchungen zum Ausschluss von bösartigen Darmerkrankungen in Deutschland zugelassen. Diese Untersuchung ist jedoch dann gefragt, wenn der Goldstandard, die konventionelle Koloskopie (mittels Darmrohrs) aus medizinischen Gründen nicht angewendet, abgebrochen oder nur inkomplett durchgeführt werden konnte.
Dies ist häufig der Fall, wenn die Untersuchung des Darms durch eine enge Stelle behindert wird und das Vorschieben eines Endoskops unmöglich wird. In diesem Fall kann die virtuelle Kolonoskopie, auch unmittelbar nach Abbruch der Darmspiegelung, ihre Vorzüge beweisen. Der Darm kann im CT auch oberhalb von engen Stellen zur Abbildung gebracht werden. Außerdem kann man nicht nur die Darminnenwand erkennen, sondern auch Prozesse sichtbar machen, die die Darmwand überschreiten, diese von außen einengen oder bereits zu Tochterabsiedlungen an anderen Stellen des Bauchs geführt haben. Die konventionelle Kolondarstellung mittels Endoskops (Darmspiegelung) hat dagegen den immensen Vorteil der gleichzeitigen Biopsie (feingewebliche Untersuchung) und Entfernung von Polypen.
Zur effektiven Untersuchung des Darmes durch CTmüssen die technischenVoraussetzungen gegeben sein. Zusätzlich ist eine korrekte Vorbereitung des Patienten von großer Bedeutung. Wie bei einer herkömmlichen Röntgendarstellung oder auch der Untersuchung des Dickdarmes mit einem Endoskop, muss der Darm vorher ausreichend gereinigt sein. Dies ist durch abführende Maßnahmen und eine 12- bis 24-stündige Nahrungskarenz zu erreichen. Um den Darm während der Untersuchung aufzuweiten, wird Luft in den Dickdarm gegeben. Wenn die Einstellungen am CT durch den untersuchenden Radiologen optimiert sind, der Patient gut vorbereitet und aufgeklärt ist, kann die Untersuchung innerhalb weniger Minuten für den Patienten schmerzfrei absolviert werden. Der Patient liegt dabei bequem in Rükkenlage auf der Trage des CT. Mittels der Mehrschichtspiraltechnik des CT können mehr als 1000 Bilder in 20 Sekunden vom Darm des Patienten aufgezeichnet werden. Diese Schichtbilder werden dann elektronisch nachverarbeitet und zusammengesetzt. Der Patient spürt dabei nur die Tischbewegung und hört das leise Rotieren der Detektoren (Empfänger). Platzangst ist für die Patienten kein Problem, da die Öffnung des CT nach oben und unten sehr weit gehalten ist undTageslicht genutzt werden kann.
Sobald für den Patienten die Untersuchung beendet ist, beginnt für den Arzt die diagnostische Tätigkeit beim Betrachten der 3DDatensätze der abgelaufenen Untersuchung.
Die Auswertung der Bilder erfordert eine hohe Qualität der ärztlichen Tätigkeit. Die Arbeit des Arztes wird erleichtert durch 3D-Software, die automatisch Prozesse der Darmwand auffindet, in der Größe bewertet und dem Arzt sichtbar macht.
In unserem Hause steht ein Team aus Internisten, Chirurgen und Radiologen täglich bereit, zu entscheiden, wann für einen Patienten die virtuelle computertomographisch assistierte Kolonoskopie eingesetzt werden kann und wann sie neben dem Standardverfahren der Darmspiegelung einen Nutzen für den Patienten bringt.
Ihre Fragen richten Sie bitte an: Abteilung Radiologie Tel. 4 75 17-461
glossar
- Computertomographie (CT) spezielle Röntgen-Untersuchung
- Koloskopie Darmspiegelung mit Koloskop (analog einem Endoskop)
- Kolonoskopie virtuelle Dickdarmspiegelung mit CT
- Kolon Dickdarm
- Endoskop Rohr mit einer Lichtquelle und kleinen optischen Vorrichtungen zur Untersuchung innerer Organe
- nicht-invasiv ohne in den Körper einzudringen


