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Medium 33 [Dezember 2007]
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Diabetes mellitus Typ 2Hoffnung für die Patienten |
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| Gundula Bausch Fachärztin für Innere Medizin |
Seit gut einem Jahr hat sich die Abteilung Innere Medizin unserer Klinik – neben den Schwerpunkten Gastroenterologie und Kardiologie – auch dem Schwerpunkt Diabetologie zugewandt.
Diabetes mellitus Typ 2, auch als „Altersdiabetes“ bekannt, ist eine chronisch-fortschreitende Erkrankung, die durch erhöhte Blutzuckerwerte charakterisiert ist. Am Anfang wird die Zuckerkrankheit meist nicht ernst genommen. Sie beginnt schleichend und wird oft verkannt. Da der Diabetes zu Veränderungen an großen und kleinen Gefäßen führt, sind Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Durchblutungsstörungen an den Augen und Nierenerkrankungen häufig die Folge.
Die Ursachen des Typ 2-Diabetes liegen zum einen in der Störung der Insulinausschüttung und zum anderen in der abnehmenden Insulinempfindlichkeit. Das bedeutet eine abnehmende Bereitschaft des Körpers, auf Insulin zu reagieren. Letzteres wird erheblich durch Übergewicht und Bewegungsmangel negativ beeinflusst.
Hieraus
ergeben sich auch die Therapieansätze: An erster Stelle stehen gesunde
Ernährung und regelmäßige körperliche Bewegung. Diese
beiden Grundpfeiler ziehen sich durch alle Stadien der Krankheit, denn Bewegung
und Erreichen eines Normalgewichtes verbessern die Insulinempfindlichkeit
und senken den Blutzuckerspiegel.
Während anfangs noch eine entsprechende Ernährung und ein Bewegungsprogramm ausreichen, müssen in der nächsten Phase der Erkrankung bereits Medikamente eingenommen werden, um die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zu erhöhter Bereitstellung anzuregen, oder um die Aufnahme des Blutzuckers in die Zellen verbessern. Diese Phase ist individuell verschieden lang und kann auch unbegrenzt sein, denn nicht in jedem Fall ist eine Insulintherapie notwendig. Seit dem Frühjahr 2007 stehen zwei neue Substanzenklassen zur Verfügung, die in Körperabläufe eingreifen, die beim Typ 2-Diabetiker im Vergleich zum Nichtdiabetiker „nur auf Sparflamme“ laufen.
Die Inkretine (Darmhormone) und Inkretinverstärker (Gliptine)
Nach jeder Mahlzeit kommt es zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels. Dies ist für die Bauchspeicheldrüse ein Signal, Insulin auszuschütten, damit der Zuckerspiegel wieder sinkt. Zuständig für die Ausschüttung sind zu einem großen Teil Hormone aus dem Dünndarm, die Inkretine, die als Botenstoffe fungieren. Untersuchungen haben ergeben, dass bei Patienten mit Typ 2-Diabetes diese Hormone vermindert oder gar nicht ausgeschüttet werden. Gelingt es, die Konzentrationen dieser Stoffe, speziell GLP-1, künstlich zu erhöhen, kommt es wieder zu einer vermehrten Bereitstellung von Insulin und damit zu einem Absinken des Blutzuckerspiegels. Aus diesem Wissen heraus ergeben sich zwei Ansätze bei der Behandlung der Zuckerkrankheit, körpereigenes Insulin bereitzustellen:
- Erstens die direkte Gabe von GLP-1. Dieses Hormon mit der Bezeichnung Exenatid wurde durch Zufall ursprünglich im Speichel des Gilamonsters, einer in Amerika lebenden Echse, entdeckt und kann nun synthetisch hergestellt werden. Es wird als Injektion zwei Mal täglich unter die Haut gespritzt.
- Zweitens Substanzen, die den Abbau des GLP-1 hemmen. Diese heißen Gliptine oder werden auch als Inkretinverstärker bezeichnet. Sie führen zu einem Konzentrationsanstieg von GLP-1. Der Wirkstoff liegt in Form von Tabletten vor und wird ein Mal am Tag eingenommen.
Beide Medikamente sind gut verträglich und führen allein nicht zu einer gefürchteten Unterzuckerung. Als günstiger Nebeneffekt wird eine verzögerte Magenentleerung mit früher einsetzendem Sättigungsgefühl und daher ausbleibender Gewichtszunahme beobachtet. Zusammenfassend ist zu sagen, dass mit beiden Medikamenten Wirkstoffe zur Verfügung stehen, die auf physiologische Art den Blutzuckerstoffwechsel regulieren und eventuell das Fortschreiten der Krankheit aufhalten.
Inhalatives Insulin
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Das amerikanische Gilamonster (bis zu 60cm lang) enthält im Speichel das Exenatide, das heute synthetisch hergestellt werden. |
Längere Zeit gab es eine neue Art der Darreichungsform des Insulins: das inhalative Insulin. Ähnlich wie beim Asthma wurde das Medikament über ein Inhalationsgerät eingeatmet. Das inhalative Insulin war ausschließlich für Patienten mit großer Spritzenangst vorbehalten. Bei chronisch Lungenkranken und bei Rauchern durfte es nicht zur Anwendung kommen. Es war ein Kurzzeitinsulin und ersetzte nicht Mischoder Langzeitinsuline; diese mussten trotzdem gespritzt werden.Während der redaktionellen Arbeiten an der aktuellen Ausgabe von „medium" wurde das inhalative Insulin vom Markt genommen.
Die Abteilung Innere Medizin unserer Klinik bietet – neben der ärztlichen Behandlung nach den Richtlinien der Deutschen Diabetes-Gesellschaft – auch die wichtigen Diabetikerschulungen an.
Eingeladen sind alle Interessierten und/oder betroffenen Patienten und Angehörigen.
Ihre Fragen richten Sie bitte an: Abteilung Innere Medizin Tel. 4 75 17-171
Diabetikerschulung Station 7 Schulungsraum
dienstags und donnerstags 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr
nach Vereinbarung auch am Mittwoch
glossar
- Gastroenterologie Lehre von Erkrankungen der Verdauungsorgane
- Kardiologie Lehre vom Herzen und seinen Krankheiten


