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Medium 32 [September 2007]
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Wo neues Leben beginntKinderärztliche Betreuung Neugeborener |
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| Dipl. med. Renate Theurich Fachärztin für Kinderheilkunde |
Jedes Jahr erblicken in unserer Klinik über 1.600 neue Erdenbürger das Licht der Welt. Auf unserer Wochenbettstation mit 30 Betten sind wir darauf gut eingestellt. Zum Stationsteam gehören erfahrene Geburtshelfer, Kinderärzte, Krankenschwestern und Kinderkrankenschwestern sowie eine Still- und Laktationsberaterin. Physiotherapeuten, Sozialarbeiter und nicht zuletzt die Seelsorger unterstützen uns bei der Arbeit. Als Resultat unseres Engagements verzeichnen wir bei den Entlassungen einen erfreulich hohen Anteil voll gestillter Kinder und jährlich steigende Geburtenzahlen in unserer Klinik.
Schon seit mehreren Jahren praktizieren wir
erfolgreich die integrierte Wochenbettpflege – die gemeinsame Betreuung
von Mutter und Kind durch eine Pflegeperson. In der Entbindungsphase gewährleistet
die enge Zusammenarbeit von Geburtshelfern, Kinderärzten und Hebammen
maximale Sicherheit für Mutter und Kind. Bei Risikogeburten ist umgehend
ein Kinderarzt zur Stelle, der das Neugeborene adäquat erstversorgt
und erforderlichenfalls weitere Schritte einleitet.
Die kinderärztliche
Versorgung der Neugeborenen umfasst darüber hinaus die erste und zweite
Vorsorgeuntersuchung (U1 und U2) sowie den täglichen Austausch mit den
Eltern und den Krankenschwestern während der Visite.
Die erste Vorsorgeuntersuchung des
Neugeborenen (U1) wird bei Aufnahme auf die Wochenbettstation
vom Kinderarzt durchgeführt. Dabei überprüft er die Atem-
und Herzfunktion, die Pulsfrequenz, den Grundtonus (Mimik und
Bewegungen), die Hautfarbe und die Reflexe. Der Arzt bestimmt
dabei den Reifegrad des Kindes und untersucht, ob angeborene
Fehlbildungen oder Geburtsverletzungen vorliegen.Ein Hauptaugenmerk
richtet der Arzt auf den Bewegungsapparat, da Störungen, wie beispielsweise
Fußfehlstellungen oder Asymmetrien, frühzeitig behandelt werden
müssen. Im Rahmen der U1 erhält das Neugeborene Vitamin-K-Tropfen,
die Störungen der Blutgerinnung vorbeugen.
Die zweite Vorsorgeuntersuchung (U2) erfolgt ab dem dritten Lebenstag, in der Regel am Tag der Entlassung. Erneut werden Gewicht, Körperlänge und Kopfumfang gemessen. Der Arzt beobachtet die Körperhaltung und die Bewegungen des Neugeborenen und überprüft nochmals und umfassend die Reflexe. Außerdem untersucht er Herz, Lunge und Bauchorgane, die Haut, den Darmausgang sowie die Geschlechtsorgane. Auch Rachenraum, Augen und Ohren werden bei der U2 inspiziert. Besonderes Augenmerk gilt immer der Herz- und Atemtätigkeit. Darüber hinaus ist es wichtig, dass das Kind bis zu diesem Zeitpunkt Stuhl abgesetzt und ausreichend Urin produziert hat.
Zur Durchführung
des Neugeborenen-Stoffwechsel- Tests werden dem Neugeborenen
einige Tropfen Blut entnommen, auf die dafür vorgesehene Filterpapierkarte
getropft und in ein Screening-Labor geschickt. Hier können durch hoch
spezialisierte biochemische Analysen angeborene Stoffwechselstörungen
frühzeitig
erkannt werden. Es werden – wie überall in Berliner Entbindungskliniken
vorgeschrieben – elf verschiedene Testserien durchgeführt, die
seltene Enzymdefekte des Hormon-, Eiweiß-, Fettstoffwechsel-, Vitamin-
und Kohlehydrathaushaltes betreffen.
Diese Krankheiten zeigen in den
ersten Lebenstagen noch keine sichtbaren Symptome, führen aber, zu spät
erkannt, zu bleibenden Schäden.
Zur Untersuchung der Hörfähigkeit werden im Rahmen der U2 mit Hilfe
eines OAE-Screeners unhörbare Signale, die das gesunde Innenohr des
Neugeborenen aussendet, absolut schmerzfrei gemessen. Dazu wird
in den Gehörgang
eine kleine Sonde eingeführt, die diese otoakustischen Emissionen (OAE)
misst (siehe Beitrag auf den Seiten 6 und 7).
Die Gabe von Vitamin
K wird bei der U2 wiederholt. Am Ende der Untersuchung klärt der Arzt
die Eltern darüber auf, dass zur Vorbeugung von Rachitis und Karies
die tägliche
Verabreichung von Vitamin D und Fluor notwendig ist. Darüber hinaus
informiert er sie über wichtige Verhaltensregeln zur Prävention
eines plötzlichen Kindstodes. Dazu gehören: Vermeidung der Bauchlage,
Schutz vor Überhitzung (Zimmertemperatur etwa 18 Grad Celsius, kein
Aufsetzen der Mütze in geschlossenen Räumen, eigenes Gitterbett,
feste und luftdurchlässige Matratze), sichere Bekleidung (zum Beispiel
Schlafsack), keine Kopfkissen oder zusätzliche Tücher, keine Federbetten,
eine rauchfreie Umgebung. Außerdem werden allgemeine Dinge rund ums
Kind besprochen wie Ernährung, Stillen, Körperpflege, Kleidung
und Schlafgewohnheiten.
Für eine ungestörte Entwicklung der Mutter-Kind-Beziehung ist es sehr wichtig, dass Mutter und Kind in den ersten Tagen nach der Geburt eng zusammen bleiben können. Dafür bieten wir ein 24-Stunden- Rooming-In an, das gern angenommen wird. Falls gewünscht, ermöglichen wir auch den Vätern in Familienzimmern einen frühestmöglichen und intensiven Kontakt mit ihrem Kind.
In unserer Klinik werden
die Mütter
sanft und einfühlsam über Fragen und Probleme rund um das Stillen
aufgeklärt und umfassend beraten. Dabei steht ihnen auch unsere Still-
und Laktationsberaterin zur Seite. Die notwendige Ruhe für sich und
ihr Kind finden die Mütter in den Stillzimmern.
Unserer Station angeschlossen
ist ein Stillcafé, das sich großer Beliebtheit erfreut. Bei
Stillfragen nach der Entlassung bekommen die Mütter hier einmal wöchentlich
fachliche Anleitung. Darüber hinaus können sie mit anderen Müttern
Erfahrungen austauschen.
Zweimal wöchentlich findet in unserer Klinik ein Informationsabend für werdende Eltern statt. Dabei ist auch eine Besichtigung unseres Kreißsaals und der Wochenbettstation möglich. Außerdem bieten wir einmal pro Monat einen Säuglingspflegekurs für Eltern und Geschwister an (Beitrag auf Seite 9). Interessenten haben darüber hinaus die Möglichkeit, einen Kurs für Babymassage zu belegen (Beitrag auf Seite 3).
Ihre Fragen richten Sie bitte an: Kinderärztinnen der Wochenbettstation, Tel. 4 75 17-121
glossar
- Screening systematisches Testverfahren
- Laktationsberaterin Beraterin für alle Fragen rund ums Stillen

