Medium 31 [Juni 2007]
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Myome der Gebärmutter

Dr. med.Lothar Karger
Chefarzt der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe

 

Myome sind gutartige Tumore der Gebärmutter, die meist von der glatten Muskulatur des Gebärmutterkörpers ausgehen. Myome des Gebärmuttermundes treten wesentlich seltener auf.
Bei einer Betrachtung zum Lebensalter ergeben sich bestimmte Relationen. Myome bei Frauen in jüngerem und mittlerem Alter entwickeln sich meist ab dem dreißigsten bis zum fünfzigsten Lebensjahr. Die Häufigkeit steigt mit zunehmendem Alter. Am häufigsten sind Myome bei Frauen um das fünfzigste Lebensjahr nachweisbar; bei unter Zwanzigjährigen sind sie sehr selten. Ein hormoneller Einfluss auf das Wachstum ist demnach unverkennbar, denn nach Versiegen der normalen Regelblutung kommt es nicht mehr zur Neubildung von derartigen Myomen.

Gibt es weitere Gesichtspunkte, die mit dem Myomwachstum in Verbindung gebracht werden können? Eindeutig ist eine familiäre Belastung zu beobachten. Myome finden sich häufiger bei Verwandten ersten Grades innerhalb einer Familie, bei denen Familienmitglieder Myome aufwiesen. Auf der einen Seite werden derartige Tumore häufiger bei Übergewichtigkeit und bei Bluthochdruckerkrankung gesehen, andererseits scheinen häufige Schwangerschaften und die langjährige Einnahme von Ovulationshemmern zu einer Verminderung des Myom-Risikos beizutragen.
Meist wird der Begriff Tumor mit einer bösartigen Entartung gleichgesetzt. Im Fall der Myombildung handelt es sich aber immer um gutartige Geschwülste. Eine Entartung kommt nur ausnahmsweise, mit einer Wahrscheinlichkeit von unter einem Prozent, vor.

Wie werden Myome und andere Veränderungen festgestellt? Bei der Untersuchung durch den Frauenarzt können die Myome in der Regel problemlos diagnostiziert werden. Dabei ist die schmerzlose gynäkologische Ultraschalluntersuchung eine moderne und sichere Methode, um die Gebärmutter und die Eierstöcke zu beurteilen.
So lassen sich Größe und Ort der Myome schnell erfassen. Es ist sogar möglich, dass die Frauen die Untersuchung am Monitor mitverfolgen können.
Nur ausnahmsweise sind bei besonderer Fragestellung, beispielsweise zum Ausschluss bösartiger Entartungen, zusätzliche Untersuchungen wie Computeruntersuchung oder Magnetresonanztomographie notwendig. Sollten auch diese Verfahren keine Klarheit bringen, wären als weitere Möglichkeiten die Spiegelung der Gebärmutter und die Bauchspiegelung des kleinen Beckens zu nennen.

.Wo entwickeln sich die Myome an der Gebärmutter? Die Abbildung 1 zeigt die verschieden Lokalisationen: Myome können sich praktisch überall im Gebärmutterkörper entwickeln, zum Beispiel unter der Gebärmutterschleimhaut, in der Gebärmutterwand – eventuell in die Gebärmutterhöhle sich vorwölbend oder als große Knoten der Gebärmutter aufsitzend. Die Größe ist sehr variabel: Von Daumennagel bis Kindskopfgröße ist die Skala nach oben offen.

Besteht in jedem Fall die Notwendigkeit der Behandlung? Lässt sich bei einer Frau ein Uterus myomatosus nachweisen, so kann zunächst nicht von einer Erkrankung gesprochen werden; die Patientin muss sich nicht unnötigerweise verunsichert fühlen. Entscheidend, ob eine Behandlungsbedürftigkeit besteht, sind Beschwerden, die durch das Myomwachstum auftreten wie Unterbauchbeschwerden und/oder Druckbeschwerden auf Harnblase und Darm beziehungsweise Störungen der Regelblutung.
Die häufigsten Krankheitssymptome bestehen im Auftreten von Blutungsstörungen, wie zu starke oder verlängerte Regelblutung, Zwischenblutungen oder Dauerblutungen. Ohne Beschwerdesymptomatik besteht bei kleinen Myomen in der Regel keine Behandlungsnotwendigkeit und die jährliche Kontrolle durch den Gynäkologen ist ausreichend.

Wenn doch operiert werden muss
Besteht zum Beispiel wegen eines schnellen Myomwachstums die Notwendigkeit für eine operative Therapie, stehen folgende Verfahren zur Verfügung, die im Aufklärungsgespräch mit der Patientin ausgiebig erörtert werden: Im Vordergrund steht in unserer Klinik natürlich die schonende Operation. Auch aus psychischen Gründen wird versucht, die Gebärmutter weitestgehend zu erhalten. Dazu gibt es folgende Möglichkeiten: die Myomabtragung oder -ausschälung oder die Abtragung des Myoms mit dem Gebärmutterkörper unter Belassung des Gebärmuttermundes. Ist das Wachstum zu weit fortgeschritten, kann die gesamte Gebärmutter nicht erhalten werden und muss operativ entfernt werden.

Alte bewährte und neue moderne Operationstechniken
Neben der seit nahezu einhundert Jahren durchgeführten klassischen Gebärmutterentfernung durch Bauchschnitt oder von der Scheide aus wurden durch die Entwicklung der endoskopischen Techniken neue Methoden möglich, die das operative Behandlungsspektrum in der Behandlung der Myomerkrankung ergänzen beziehungsweise erweitern. Das sind zum einen die endoskopisch-operative Spiegelung der Gebärmutter und die gynäkologisch-operative Laparoskopie.
Diese Entwicklung führte in den vergangenen Jahren dazu, dass zunehmend die Gebärmutter erhalten werden konnte. Von den Frauen wird damit ein starker emotionaler und psychischer Druck genommen. Die Bedeutung der endoskopischen Operationstechnik ist nicht hoch genug einzuschätzen. Auch an unserem Krankenhaus sind die endoskopisch-gynäkologischen Eingriffe nicht mehr wegzudenken – ganz abgesehen davon, dass im Zeitalter der Tangas und knappen Bikinis ein glatter Bauch ohne kosmetisch störende Narbe erstrebenswert ist.
Myome, die sich in die Gebärmutterhöhle hinein entwickeln und nicht übergroß sind, lassen sich im Rahmen der endoskopischen Gebärmutterspiegelung entfernen. Dabei wird ein Spiegel mit dem Instrument von unten, also vaginal eingeführt.

Organ erhaltende Eingriffe an der Gebärmutter werden überwiegend im Rahmen laparoskopischer Techniken durchgeführt, um einen Bauchschnitt möglichst zu vermeiden. Auch hier gibt es je nach Erkrankung unterschiedliche Herangehensweisen. Überschreiten Myome eine bestimmte Größe oder liegen Verwachsungen infolge von Entzündungen oder .Voroperationen vor, ist es meist nicht mehr möglich, die Operation über den vaginalen Weg durchzuführen. Wird jedoch vorher ein laparoskopisch unterstützender Eingriff vorgenommen, werden die Voraussetzungen für den Weg „von unten“ geschaffen.
Dabei werden zunächst im Rahmen der Bauchspiegelung einzelne operative Teilschritte wie Myomentfernung, Organverkleinerung oder Verwachsungslösung vollzogen. Sie schaffen die Voraussetzung, die Gebärmutter anschließend in gleicher Narkose auf vaginalem Weg zu entfernen. Dadurch kann ein Bauchschnitt vermieden werden.

Soll das Myom nur mit dem Gebärmutterkörper, also unter Belassung des Gebärmuttermundes, entfernt werden, kann die laparoskopische Teilentfernung der Gebärmutter erfolgen. Dabei bleibt der Muttermund erhalten, lediglich der Gebärmutterkörper mit dem Myom wird entfernt. Dieser Eingriff ist gerade bei jungen Frauen mit Blutungsstörungen zu empfehlen. Ein weiteres, wenn auch aufwändiges Operationsverfahren ist die gänzlich laparoskopisch durchgeführte totale Gebärmutterentfernung. Sie ist erst durch moderne Medizintechnik, die eine sichere Blutstillung gewährleistet, möglich geworden.

Zusammenfassung
Neben den laparoskopischen Operationsverfahren hat die klassische Gebärmutterentfernung, vorwiegend auf vaginalem Weg durchgeführt, weiterhin ihre Berechtigung. Sie ist eine etablierte und sichere Operationsmethode, wenn eine totale Entfernung der Gebärmutter medizinisch indiziert und gewünscht wird. Hierbei kann auf Wunsch der Patientin die Operation mit Rückenmarkbetäubung durchgeführt werden, während bei den laparoskopischen Eingriffen die Allgemeinnarkose erforderlich ist.
Die Entfernung der Gebärmutter wegen eines Uterus myomatosus durch Bauchschnitt sollte heute nur noch bei sehr großen Myomen oder im Rahmen von anderen Eingriffen des Bauchraumes erfolgen. Welches Operationsverfahren zur Anwendung kommt, wird durch die medizinische Indikation, die Besonderheiten der Patientin und deren individuelle Bevorzugung bestimmt.
Grundlage dafür sollte ein umfassendes Arzt-Patientin-Gespräch sein, in dem die Vor- und Nachteile der einzelnen Operationsverfahren ausführlich besprochen werden.

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