Medium 29 [Dezember 2006]

Moderne Behandlung der Herzleistungsschwäche

Dr. med. Heiko Lehmann
Leitender Oberarzt der Abteilung Innere Medizin
Facharzt für Innere Medizin/Kardiologie

 

Die Herzleistungsschwäche, im medizinischen Sprachgebrauch Herzinsuffizienz genannt, ist eine Volkskrankheit. Dabei bezeichnet die Herzinsuffizienz das Unvermögen des kranken Herzens, die Organe des Körpers ausreichend mit Blut zu versorgen und damit ihre Funktion sicherzustellen.

Je nach Ausprägung der Erkrankung können die Symptome sehr unterschiedlich sein. Auf der einen Seite steht Luftnot im Vordergrund, die bei einigen Patienten erst bei schwerer Belastung auftritt. Bei manchen Patienten kann es allerdings auch schon in Ruhe zu schweren Erstickungsanfällen kommen.

Auf der anderen Seite können Flüssigkeitsansammlungen und Schwellungen in den abhängigen Körperpartien sowie auch in der Brust- oder Bauchhöhle Zeichen einer Herzleistungsschwäche sein.

Insgesamt ist die Herzinsuffizienz die gemeinsame Endstrecke sehr verschiedener Erkrankungen des Herzens. Zu diesen Erkrankungen zählen:

  • Erkrankungen der Herzkranzgefäße einschließlich des Herzinfarktes
  • Herzerkrankung infolge eines langjährigen Bluthochdrucks
  • Erkrankungen der Herzklappen
  • Entzündliche Erkrankungen des Herzmuskels oder des Herzbeutels
  • Schnelle oder langsame Herzrhythmusstörungen
  • Störungen des Hormonhaushaltes
     

Um eine effektive Behandlung durchführen zu können, muss zunächst nach der Ursache der Herzschwäche gesucht und diese, wenn möglich, behandelt werden.

Neben dem EKG und der Röntgen-Brustkorbuntersuchung zählt die Echokardiographie, kurz Echo, zur Basis der Diagnostik. Für diese Methode steht in unserem Krankenhaus ein sehr modernes Gerät zur Verfügung, das auch die Ultraschalluntersuchung des Herzens durch die Speiseröhre mit gleichzeitiger Gabe von Ultraschallkontrastmittel ermöglicht. Im Echo wird die Pumpfunktion des Herzens eingeschätzt. Infarktnarben und Funktionsstörungen der Herzklappen und Erkrankungen des Herzbeutels können erkannt sowie ein Verdacht auf eine Erkrankung der Herzkranzgefäße ausgeschlossen werden. Man kann sagen, dass durch diese Untersuchung die Weichen für das weitere Vorgehen gestellt werden.

.Nicht immer haben diese diagnostischen Möglichkeiten in Ruhe eine eindeutige Aussage. Hier kann sich eine Belastungsuntersuchung in Kombination mit einer Echokardiographie des Herzens (dynamische Stressechokardiographie) oder mit der gleichzeitigen kontinuierlichen Messung der Atemströme anschließen, der so genannten Spiroergometrie. Diese Untersuchungen geben zusätzlich Auskunft über mögliche Ursachen der Herzschwäche und den Schweregrad der Erkrankung. Andere Ursachen der Luftnot – wie zum Beispiel aus dem Bereich der Atmungsorgane oder der Skelettmuskulatur – müssen in die Überlegungen mit einbezogen werden. Auch für die Durchführung dieser Untersuchungen stehen in unserem Krankenhaus neue Gerätekombinationen zur Verfügung.

In vielen Fällen schließt sich die Herzkatheterdiagnostik an. Das bedeutet die direkte Darstellung der Herzkranzgefäße und der Herzhöhlen durch Röntgen mit gleichzeitigem Einspritzen von Röntgenkontrastmittel. Die Herzkatheter sind dünne, speziell geformte Kunststoffschläuche, die über ein Blutgefäß zum Herzen vorgeführt werden und es ermöglichen, das Kontrastmittel in die Herzkranzgefäße zu verbringen.

Hierbei kann eine Verengung der Herzkranzgefäße erkannt und oft sofort durch eine Ballondehnung Einsetzen einer Gefäßstütze, dem so genannten behandelt werden.

Unsere Klinik führt die Herzkatheteruntersuchungen enger Kooperation mit dem Sana-Klinikum durch. Auf diese Weise ist es uns möglich, aus unserem Krankenhaus in Lichtenberg untersuchen. Auf Grund des bei uns gewonnenen Vertrauensverhältnisses fällt es so einigen leichter, die Entscheidung für diese wichtige Diagnostik und vor allem auch Behandlung treffen. Bei der überwiegenden Anzahl kann die Untersuchung über die Pulsader (oder rechten) Handgelenk durchgeführt dass die Beeinträchtigungen für den Patienten möglichst gering sind.

Gleichzeitig mit der Behandlung der diagnostizierten Ursachen der Herzschwäche sollte jedoch spezielle Therapie erfolgen, die die Symptome der Herzschwäche und eine der Überlebenszeit der Patienten zum Behandlung basiert auf drei Säulen:

Medikamentöse Therapie

Eine Reihe von Medikamenten hat sich bei der Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz als sehr wirksam erwiesen. Viele Studien waren und sind notwendig, um die Wirksamkeit der Medikamente zu beweisen oder zu widerlegen. Durch diese Studien ist es jedoch möglich geworden, standardisierte Behandlungsempfehlungen durch nationale und internationale Fachgesellschaften zu veröffentlichen. Ziel dieser Empfehlungen ist es, möglichst alle Patienten optimal zu behandeln. Diese Empfehlungen werden in unserer Klinik konsequent umgesetzt.

Welche Medikamente angewendet werden, hängt vor allem vom jeweiligen Schweregrad der Herzschwäche ab. Sehr wichtig für den dauerhaften Behandlungserfolg ist jedoch die regelmäßige Einnahme der Medikamente, oft ein Leben lang. Ein Teil der Medikamente wirkt ebenfalls blutdrucksenkend, so dass sich bei einigen Patienten, die einen höheren Blutdruck gewohnt waren, vorübergehend ein Schwindelgefühl einstellt. Dann sollte die Dosis zunächst angepasst werden.

In den meisten Fällen ist eine sehr langsame Dosissteigerung über Wochen zu empfehlen. Ziel ist es, eine ausreichende Dosierung zu erreichen, um die Wirksamkeit der Medikamente sicher zu stellen. Dabei ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Krankenhaus, Hausarzt und Patient von großer Wichtigkeit.

Apparative Behandlungsmöglichkeiten

Patienten mit einer hochgradigen Herzschwäche, insbesondere nach einem Herzinfarkt, sind stark gefährdet, an einem plötzlichen Herztod durch unvermittelt eintretende Rhythmusstörungen zu sterben. Bei diesen Rhythmusstörungen handelt es sich in der Regel um Kammerflimmern, welches schnell und effektiv mit einer Elektroschockbehandlung beendet werden kann. Die Behandlung muss jedoch sofort erfolgen, da anderenfalls bereits nach wenigen Minuten irreversible Schäden am Gehirn auftreten und kurz danach der Tod eintritt.

Bis der Rettungsdienst eintrifft, ist es meist zu spät. Daher sind sehr kleine Geräte entwickelt worden, die lebensgefährliche Rhythmusstörungen selbstständig erkennen und auch beenden können, die so genannten ICDs. Diese Geräte sind etwas mehr als doppelt so groß wie ein normaler Herzschrittmacher. ICDs werden, ganz ähnlich wie Schrittmacher, meistens in lokaler Betäubung in einer kurzen Operation unter die Haut gesetzt, seit diesem Jahr auch in unserer Klink.

Zusätzlich zu dem eigentlichen Gerät werden in der Operation Elektroden, spezielle dünne Kabel, über eine Vene zum Herzen geführt. Über diese Elektroden kann der ICD die elektrischen Aktionen des Herzen wahrnehmen und gegebenenfalls Schrittmacherimpulse oder Elektroschocks abgeben. Die ICDs lassen sich so programmieren, dass sie für den jeweiligen Patienten individuell angepasst sind. Diese Anpassung sowie die optimale Funktion muss in regelmäßigen Kontrollen überprüft werden. Für Patienten mit einer schweren oder sehr schweren Herzleistungsschwäche, die trotz optimaler allgemeiner und medikamentöser Therapie nicht beschwerdefrei werden, wurde in den letzten Jahren eine neue Behandlungsmöglichkeit entwickelt, die so genannte kardiale Resynchronisationstherapie.

Bei vielen dieser Patienten tritt eine Störung der Erregungsausbreitung auf, so dass der elektrische Impuls die Herzmuskulatur zu unterschiedlichen Zeiten erreicht. In Folge dessen ziehen sich die verschiedenen Abschnitte der linken Herzkammer zeitlich versetzt zusammen, wodurch die Förderleistung des Herzens weiter eingeschränkt wird.

Durch die gleichzeitige Stimulation des Herzens im Bereich der rechten und der linken Herzkammer kommt es im Idealfall wieder zum gleichzeitigen Arbeiten der unterschiedlichen Anteile der Hauptkammern, mit dem Ergebnis der besseren Leistungsfähigkeit der Patienten. Durch das Einbringen einer zusätzlichen Elektrode kann die Operation etwas länger als eine übliche Schrittmacherimplantation dauern. Gemessen an dem Gewinn für die Patienten lohnt sich dieser Eingriff. Die meisten Patienten fühlen sich nach der Operation deutlich besser.

Auch hier gilt, dass das Gerät zur kardialen Resynchronisationstherapie in jedem einzelnen Fall speziell auf den Patienten abgestimmt werden muss. Leider sind nicht alle Patienten mit einer Herzleistungsschwäche für diese Methode der gleichzeitigen Stimulation beider Hauptkammern geeignet. Daher muss der behandelnde Kardiologe durch Voruntersuchungen, wie sie auch in der Maria Heimsuchung Caritas-Klinik Pankow durchgeführt werden, klären, ob der Patient von der Einpflanzung eines solchen Gerätes profitieren wird.

Zusammenfassend gesagt: Eine optimale Behandlung der Herzleistungsschwäche setzt die enge Zusammenarbeit von Patienten, ambulant behandelnden Ärzten und Klinikärzten voraus. Die Therapie muss ein Leben lang und für jeden Patienten individuell ausgewogen durchgeführt werden.

Allgemeine Verhaltensempfehlungen Stichwortartig können folgende Empfehlungen für das Verhalten bei Herzschwäche gegeben werden:

  • Gewichtsreduktion
  • Reduktion der Flüssigkeitszufuhr auf 2 Liter pro Tag, bei schwerer Herzleistungsschwäche auf 1-1,5 Liter
  • Begrenzung des Alkoholkonsums
  • Nikotinkarenz
  • Mäßiges körperliches Ausdauertraining (nach Rücksprache mit dem Kardiologen)
  • Keine langen Flüge, keine Reisen in große Höhen oder in feuchtes und heißes Klima
  • Vermeidung bestimmter Medikamente

 

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