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Medium 26 [März 2006]
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Fortschritte bei der Behandlung von bösartigen Erkrankungen des Dickdarms |
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| Dr. med. Uwe Gottschalk,
Chefarzt der Abteilung Innere Medizin |
Gerade bei der Früherkennung und Behandlung von Darmkrebs sind in den letzten Jahren gewaltige Fortschritte erzielt worden. Bei einer frühen Diagnose liegt die Heilungschance heute bei über 90 Prozent. Allerdings treten klinische Symptome erst relativ spät auf, sodass es entscheidend ist, durch Suchteste Patienten mit Vorstufen einer Darmkrebserkrankung herauszufinden. Jährlich erkranken in Deutschland ca. 27.000 Männer und ca. 30.000 Frauen an Darmkrebs. Das Auftreten dieser Erkrankung hat sich von 1960 bis 1980 nahezu verdoppelt, und es muss inzwischen davon ausgegangen werden, dass bis zum 70. Lebensjahr sechs Prozent unserer Bevölkerung an einem Darmtumor erkranken. Umso wichtiger ist seine frühe Erkennung.
Ein erhöhtes Risiko besteht bei Personen, bei denen bereits Tumorerkrankungen vorliegen, deren Familien gehäuft Darmtumorerkrankungen aufweisen sowie bei Personen mit chronischen entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Hier bestehen andere Empfehlungen zur Vorsorge, das heißt spezielle Untersuchungen erfolgen früher und gegebenenfalls häufiger. Im Einzelfall muss dies mit den Patienten besprochen und ein individueller Überwachungsplan aufgestellt werden.
Die meisten Gewächse entwickeln sich im unteren Darmabschnitt, sodass bereits die manuelle Untersuchung beim Hausarzt, Urologen oder Frauenarzt Hinweise erbringen kann (Abbildung 1). Eine Untersuchung des Stuhles auf verstecktes Blut erbringt weitere Hinweise. Die Entwicklung bösartiger Zellverbände erfolgt in den überwiegenden Fällen über Vorstufen, so genannte Polypen. Diese zeigen eine unterschiedlich ausgeprägte Schwere der Zellveränderungen, die wir als Dysplasie bezeichnen. Wichtig ist dann die vollständige Gewächsentfernung, das heißt, die Ränder der Abtragung müssen gesundes Gewebe aufweisen. In seltenen Fällen findet der Pathologe bereits bei diesen Abtragungen bösartige Zellen. Sind diese nur auf die Schleimhaut begrenzt, kann eine engmaschige endoskopische Kontrolle erfolgen. Bei Übergriff der Zellen auf die nächste Wandschicht kommt jedoch nur ein chirurgischer Eingriff als Therapie in Frage, da sichergestellt werden muss, dass eventuell befallene Lymphknoten ebenfalls entfernt werden. In unserem Krankenhaus finden enge Absprachen zwischen Internist und Chirurg statt, sodass die Darmoperation schnell und zuverlässig durchgeführt werden kann.
| 1 Dickdarmtumor im Enddarm | 2 Ultraschallabbildung eines fortgeschrittenen Darmtumores | 3 Tumor-Abbildung von "innen" mit Endosonographie |
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Der nächste Schritt ist eine Ultraschalluntersuchung des Bauches (Abbildung 2). Sie belastet den Patienten nur sehr gering und bringt wichtige Zusatzinformationen über die Ausdehnung des Gewächses, über Lymphknotenvergrößerungen oder den möglichen Befall anderer Organe. Ob danach noch eine Computertomographie folgen muss, wird zwischen Internist und Chirurg besprochen.
Bei Gewächsen im Enddarmbereich wird zur exakten Bestimmung der Ausdehnung zusätzlich die Endosonographie angewendet. Hierbei erfolgt ein Ultraschall von innen mittels eines Spezialendoskops (Abbildung 3). Diese Methode erbringt die nach heutigem Stand der Technik höchste Auflösung in der bildlichen Darstellung, und es können die einzelnen Wandschichten des Darmes voneinander getrennt beurteilt werden. In unserer Inneren Abteilung ist es seit Ende Januar 2006 möglich, durch eine Erweiterung unserer Geräteausstattung Endosonographien durchzuführen. Im nächsten Heft werden wir auf diese innovative Untersuchung näher eingehen.
Erfolgte die Entscheidung zur Operation, so wird ein Sicherheitsabstand zum Tumor gewahrt, damit keine bösartigen Zellen verschleppt werden. Die Darmenden werden in der Regel anschließend wieder zusammengenäht, und der Patient bemerkt fast nie in seinem weiteren Leben den Verlust dieses Darmabschnittes.
Künstliche Darmausgänge sind heute nur noch bei Notfällen oder bei extrem schwierigen Operationen erforderlich, und dies meist nur für eine kurze Zeitspanne.
Ist es bereits zu einer Streuung von bösartigen Zellen auf Gewebe außerhalb des Darmes gekommen, so erfolgt zusätzlich eine Chemotherapie. Da die Zellen eines Dickdarmtumores sehr empfindlich auf diese Medikamente reagieren, sind sehr gute Langzeitergebnisse bei nur mäßigen Nebenwirkungen zu erreichen. Diese Therapie erfolgt fast immer ambulant in Zusammenarbeit mit niedergelassenen Onkologen.
Eine Strahlentherapie wird bei einer Gewächsart im Bereich des Darmausganges eingesetzt. Hier kommt es darauf an, natürliche anatomische Strukturen zu erhalten und dem Patienten damit ein normales Leben zu gewährleisten.
Nach erfolgreicher Tumortherapie verbleibt der Patient über einige Jahre jedoch in einer strengen Überwachung. Diese ist in der Bundesrepublik Deutschland exakt vorgegeben und verspricht die optimale Früherkennung eventueller Rezidive. Hierbei eingeschlossen sind Laboruntersuchungen, Ultraschall, Endoskopie und meist die Computertomographie. Gerade beim Dickdarmtumor sind auch hier in den letzten Jahren enorme Fortschritte erreicht worden; ein Rezidiv ist häufig noch therapierbar, sogar eine vollständige Heilung ist möglich.
Was sollte den Patienten zur Untersuchung beim Hausarzt veranlassen?
Dies ist an erster Stelle das Auftreten von Blut im Stuhl. Aber auch Veränderungen des normalen Stuhlganges, wie zum Beispiel ein Wechsel von Verstopfung und Durchfall, bedürfen unbedingt der zügigen Abklärung. Ist Darmkrebs in der Familie bekannt, gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen, wie sie im vorangegangenen Artikel beschrieben wurden. Sollte bei normaler Ernährung ein deutlicher Gewichtsverlust auftreten, so kommt eine große Anzahl gutartiger Erkrankungen dafür in Frage. Da aber auch ein Dickdarmtumor ursächlich sein kann, sollte keine Scheu bestehen, seinen Arzt des Vertrauens zu konsultieren.
glossar
- Polypen Meist gutartige Neubildungen vorwiegend der Schleimhäute, die sich in eine bösartige Erkrankung umwandeln können
- Onkologe Arzt mit Spezialgebiet für bösartige Erkrankungen
- Dysplasie Unterschiedlich ausgeprägte Schwere der Zellveränderungen bei Polypen
- Endoskopie Untersuchung innerer Organe mit sehr kleinen Instrumenten
- Endosonographie Spezielle Untersuchung mit Hilfe von Ultraschall
- Rezidiv Rückfall




