Medium 25 [Dezember 2005]

Wenn die Galle überläuft

Das Steinleiden der Gallenblase – minimalinvasive Chirurgie
Dr. med. Tom Zinner, Chefarzt der Abteilung Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie – Minimal Invasive Chirurgie

 

Erkrankungen der Gallenblase durch Gallensteine zählen zu den häufigsten Erkrankungen in Europa. Viele Patienten wissen allerdings gar nicht, dass sie steinreich sind. Typische Beschwerden sind kolikartige Schmerzattacken von mehr als fünfzehn Minuten Dauer im rechten Oberbauch, die gelegentlich in den Rücken und in die rechte Schulter ausstrahlen, nicht selten verbunden mit Übelkeit und Erbrechen.

Gallenblasensteine entstehen durch eine gestörte Gallesekretion. Zumeist handelt es sich um Cholesterinsteine, zu nur einem Fünftel der Fälle um Pigment- oder Kalziumkarbonatsteine. Frauen sind dreimal häufiger als Männer betroffen.

Folgende Komplikationen bei Gallensteinleiden können auftreten:

  • Verschluss des Gallenausführungsganges
  • Akute Entzündung der Gallenblasenwand
  • Vereiterung der Gallenblase
  • Gallenblasenperforation
  • Chronische Entzündung der Gallenblasenwand
  • Verkalkung der Gallenblase Porzellangallenblase
     

Sobald die Gallensteine Beschwerden verursachen, steigt auch das Risiko für mögliche Komplikationen. Besonders gefährlich für den Patienten ist es, wenn sich Steine im engen Gallengang bilden oder Steine aus der Gallenblase in den Gallengang wandern und dort stecken bleiben. Neben der klassischen Kolik gibt es dann fast immer schwer wiegende Komplikationen wie Gelbsucht, Fieber mit Schmerzen durch Entzündung der Gallenwege oder der Bauchspeicheldrüse.

Bei der Behandlung des symptomatischen Gallensteinleidens steht die chirurgische Versorgung im Vordergrund – es ist einer der häufigsten chirurgischen Eingriffe. Die laparoskopische Gallenblasenentfernung wird bei unkompliziertem Steinleiden mittlerweile am häufigsten und zunehmend auch beim komplizierten Gallensteinleiden angewendet.

Nicht operative Therapien wie medikamentöse Steinauflösung oder Zertrümmerung über Ultraschallstoßwellen bleiben die Ausnahme. Ob der konservative Weg Erfolg hatte, ist erst nach Monaten oder Jahren zu beurteilen. So hat die Behandlung von kleinen Cholesterinsteinen (unter fünf bis zehn Millimeter Durchmesser) durch Medikamente eine Erfolgsrate von vierzig bis siebzig Prozent nach ein bis zwei Jahren.

Sonographie mit Gallenblasensteinen in der Gallenblase Stumpfes Auslösen der Gallenblase aus dem Leberbett

 

Einzeln vorkommende Cholesterinsteine (unter zwei Zentimeter Durchmesser) können manchmal durch eine Ultraschall-Stoßwellenbehandlung, meist kombiniert mit Medikamenten, behandelt werden. Steinfreiheit wird dabei in bis zu neunzig Prozent der Fälle nach drei bis zwölf Monaten erreicht. – Allerdings treten nach konservativer Therapie jedoch bei dreißig bis fünfzig Prozent der Patienten innerhalb von fünf Jahren erneut Steine auf.

Die Laparoskopische Gallenblasenentfernung ist ein sicheres und schonendes Operationsverfahren zur Entfernung der Gallenblase bei Gallensteinleiden, das in unserer Abteilung mit hohem Komfort für die Patienten zur Anwendung kommt. Sie ist sozusagen eine große Chirurgie durch kleine Schnitte.

In nur einem Jahrzehnt hat sich die minimalinvasive Technik der Gallenblasenentfernung zum Standardverfahren entwickelt. Wenn aber mit Hilfe der Laparoskopie während der Operation keine Sicherheit über die anatomischen Strukturen zu erlangen ist, muss manchmal auf das offene operative Verfahren umgestiegen werden. Das ist jedoch sehr selten.

Die Vorteile des minimalinvasiven Vorgehens bei symptomatischen Gallensteinleiden sind die schnellere Rekonvaleszenz und der deutlich verkürzte Krankenhausaufenthalt sowie ein besseres kosmetisches Ergebnis und weniger Schmerzen. Während früher ein Entlassungstermin erst nach zwei Wochen ins Auge gefasst wurde, ist er heute schon nach drei bis fünf Tagen möglich.

Bei Verdacht auf Steine im Gallengang steht die endoskopische Gallengangssteinentfernung an erster Stelle.

Die Operationstechnik Bei einem laparoskopisches Vorgehen erfolgen nur vier Schnitte kleiner als ein Zentimeter (bei der offenen Methode oft größer als zwanzig Zentimeter). Für eine bessere Übersicht wird der Bauch mit Kohlendioxid-Gas gefüllt. Mit drei dünnen Instrumenten – von außen über die Arbeitstrokare eingebracht und durch die ebenfalls unterhalb des Bauchnabels eingebrachte Kamera über einen Bildschirm kontrolliert – werden der Gallenblasengang und die versorgende Arterie dargestellt, geklippt und durchtrennt. Mit Hilfe eines eingebrachten Bergebeutels kann die Gallenblase nach Auslösen aus dem Leberbett über einen der Zugänge entfernt werden. Eine eventuell eingelegte Ablaufdrainage wird für etwa einen Tag belassen, und der Patient kann am Abend der Operation aufstehen und Essen und Trinken.

Und um es am Ende einmal weniger medizinisch zu sagen: Die minimalinvasive Chirurgie ist insgesamt eine ständig an Größe zunehmende Knospe am ewig grünen Baum der Chirurgie.

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