Medium 23 [Juni 2005]

Was tun gegen Sodbrennen?

Dr. med. Jürgen Beckert
Chefarzt der Abteilung Innere Medizin

 

Jeder von uns hat das lästige Sodbrennen schon einmal verspürt. Tritt es aber öfter auf und überschreitet das normale Maß, dann sprechen wir von einer Refluxkrankheit (Reflux = Rückfluss). Sie hat ihre Ursache in einem unzureichenden Verschluss der unteren Speiseröhre, meist bedingt durch einen Zwerchfellbruch (Hiatushernie).

Die Speiseröhre hat eine andere Schleimhaut als der Magen und reagiert daher empfindlich bei Kontakt mit Magensäure. Wenn saurer Magenbrei in die Speiseröhre zurückfließt, wird genau das als Sodbrennen registriert. Entzündungen, die Schmerzen verursachen, können hinzukommen. In diesem Fall sind unter Umständen Verwechslungen mit Herzbeschwerden möglich.

Manchmal löst ein Säureschwall einen Hustenreiz, einen Asthma-Anfall oder bei alten und hinfälligen Menschen auch eine Lungenentzündung aus. Vernarbungen und Einengungen als Entzündungsfolgen führen hingegen in seltenen Fällen zu Schluckbeschwerden.

Jeder Druckanstieg vom Bauch – beim Bücken, schweren Heben, bei Gewichtszunahme oder Schwangerschaft – kann den Rückfluss verstärken. Medikamente, die auf das sympathische Nervensystem oder auf die so genannten glatten Muskelfasern wirken, sind refluxfördernd.

Die Refluxkrankheit ist recht häufig: Etwa fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind von ihr betroffen. Die Behandlung besteht zunächst einmal darin, alles zu vermeiden, was eine starke Säurebildung bzw. einen Reflux hervorruft. Dazu gehören die Betätigung der Bauchpresse sowie vieles und fettes Essen, Geröstetes und scharf Gebratenes, Süßigkeiten, Coffein, Alkohol (insbesondere Weißweine) und Nikotin.

Meistens genügen diese ersten Maßnahmen nicht, und Medikamente müssen helfen.

Am bekanntesten sind die Antazida, die die Salzsäure neutralisieren und damit schnell Beschwerdefreiheit bringen. Nach einigen Stunden ist die Wirkung abgeklungen, doch dann treten die Beschwerden prompt wieder auf.

Gute Wirkung hat Weizenkleie. Es ist ein Ballaststoff; bis zu drei Esslöffel davon, zusammen mit reichlich Flüssigkeit, helfen sehr gut. Möchte man den ganzen Tag von dem quälenden Sodbrennen verschont sein, muss man auf die modernen Medikamente wie H2-Blocker oder auf die noch wirksameren Protonenpumpenhemmer zurückgreifen.

Nachdem man die Beschwerden durch eine zweimalige tägliche Gabe von Medikamenten zum Abklingen gebracht hat, kann man versuchen, die jeweilige Dosis immer weiter zu reduzieren. Die Nachteile der neuen Medikamente liegen darin, dass sie nur die Symptome, aber nicht die eigentliche Ursache beseitigen können. Außerdem liegen noch keine ausreichenden Erfahrungen über die Nebenwirkung nach langjähriger Einnahme vor. Darum sollte insbesondere bei jüngeren Patienten eine chirurgische Therapie – in der wenig belastenden Form der laparoskopischen Technik – erwogen werden.

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