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Medium 12 [September 2002]
| Brustkrebs die Diagnose |
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Oberarzt Dr. med. Georgi Tzanov Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe Leiter des Bereiches Senologie |
Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung
der Frau. Jeder vierte Krebs bei den Patientinnen betrifft die Brust. Jährlich
erkranken bundesweit schätzungsweise 43.000 Frauen, allein in Berlin
etwa 2.500.
Die Risikofaktoren
Das Lebensalter an sich kann schon als ein Risikofaktor angesehen werden,
denn etwa ab dem 30. bis 75. Lebensjahr steigt das Erkrankungsrisiko stetig
an. Sind die Mutter oder eine Schwester an Brustkrebs erkrankt, so ist das
Risiko einer Frau durchschnittlich zwei- bis dreimal höher als ohne
erkrankte Verwandte.
Ist eine Frau bereits an einer Brust erkrankt, so besteht ein erhöhtes
Erkrankungsrisiko auch in der anderen Brust.
Frauen mit früher erster Regelblutung, mit spätem Eintritt der
Wechseljahre und Frauen mit später erster oder keiner Geburt erkranken
häufiger als im Durchschnitt.
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Mammographiebild mit zwei Krebsherden im unteren Anteil der Brust (in der Abb. unten) sowie krebsbefallenem Lymphknoten in der Achselhöhle (oben) |
Sie haben einen Knoten selbst getastet ... Ihrem Arzt ist bei der Vorsorgeuntersuchung
etwas aufgefallen... Was tun?
"Das muss raus", werden Sie oft hören: histologische Klärung,
DE (diagnostische Entnahme), PE (Probeentnahme), sicherheitshalber Exstirpation
angeraten - so steht es in den Röntgenbefunden. Dies alles sind diagnostische
Operationen, d. h. Operationen, die erst einmal klären sollen, ob der
Befund gut- oder bösartig ist. Bei Bösartigkeit wird dann im Allgemeinen
gleich weiter operiert.
Es geht aber auch anders, und das ist das Konzept der Mammasprechstunde:
- Hier wird versucht, verdächtige oder unklare Befunde soweit ambulant bzw. vorstationär abzuklären, so dass nur noch diejenigen Frauen operiert werden müssen, bei denen bereits vorher fest steht, dass sie einen bösartigen Befund haben.
- Es wird untersucht, ob es schon Tochtergeschwulste (Metastasen) gibt. Der Brustkrebs ist ein Streukrebs, darum sollten noch vor der Operation die am häufigsten betroffenen Organe wie Knochen, Leber und Lunge ambulant untersucht werden.
- Die Patientinnen werden ausführlich aufgeklärt über die Krankheit, über die Behandlungs- und Nachbehandlungsmöglichkeiten, über die Operation, z. B. auch den Sofortaufbau der betroffenen Brust. Dabei erhält die Patientin eine Bedenkzeit und Zeit zum Erledigen aktueller Berufs- und Privatangelegenheiten bis zu zwei Wochen nach der Diagnosestellung.
Welche Untersuchungen machen wir bzw. welche werden durch uns veranlasst?
- Die klinische bzw. Tastuntersuchung sucht nach Anzeichen, die auf einen Krebs hindeuten können: neu aufgetretene Knoten oder Verhärtungen in der Brust; Einziehung der Brustwarze oder der Haut, insbesondere beim Anheben der Arme; Hautveränderungen der Brustwarze oder des Warzenhofes; farbige, insbesondere blutige Absonderungen aus der Brustwarze; plötzlich aufgetretene und nicht schmerzende Rötungen einer Brust; Knoten in der Achselhöhle von über einem Zentimeter Größe.
- Bildgebende Verfahren zur Brustdiagnostik und zum Staging (Metastasensuche): Mammographie, Ultraschall, Kernspintomographie, Röntgenaufnahmen, Computertomographie, Knochenszintigraphie u. a.
- Geschlossene Biopsie - Probeentnahme ohne Operation: Die Stanzbiopsie wird in örtlicher Betäubung vorgenommen. Dafür ist ein Hauteinstich erforderlich, da die Nadel eine Stärke von drei Millimetern hat. Die Hochgeschwindigkeitsstanze gewinnt kleine Gewebsverbände. Das Ergebnis liegt am Folgetag vor. Die Sicherheit der Diagnose liegt bei ca. 99%, wenn der Herd sicher getroffen und mindestens drei Proben entnommen worden sind. Bei schwer tastbaren Befunden erfolgt die Manipulation unter Ultraschallkontrolle. Aus dieser Gewebsprobe sind auch die wichtigsten Zusatzinformationen über den Tumor ableitbar. Die Sicherheit ist damit praktisch genau so groß wie das Herausnehmen eines Befundes. Die Komplikationsmöglichkeiten dieses Verfahrens sind selten ein blauer Fleck in der Haut und sehr selten ein Bluterguss in der Brust. Die Patientin ist danach voll einsatzfähig.
- Feinnadelpunktion: "Feinnadel" deshalb, weil mit einer hauchdünnen Kanüle punktiert wird, die dünner ist als eine Stecknadel. Die Schmerzen bei einer Punktion sind im Allgemeinen nicht höher als bei einer Blutentnahme. Bei dieser Manipulation werden nur einzelne Zellen oder Zellverbände gewonnen. Diese Methode eignet sich am besten beim Abklären zystischer und gutartiger Neubildungen sowie bei manchen klinisch sicheren, gut tastbaren Krebsbefunden, bei denen mit der Abnahme der Brust gerechnet werden muss.
- Offene Biopsie - Herausnehmen des Befundes in Vollnarkose / Tumorexzision (TE): Gelingt die Diagnosestellung durch Feinnadelpunktion und Stanzbiopsie aus dem einen oder anderen Grund nicht, so erfolgt das Herausnehmen des verdächtigen Tumors in Vollnarkose. Handelt es sich um einen nicht tastbaren Befund, z. B. Mikrokalk, bietet sich die TE nach vorheriger radiologischer Nadelmarkierung an.
Das entfernte Präparat wird innerhalb von 45 Minuten im Schnellverfahren
pathologisch begutachtet, und bei Bösartigkeit wird weiter operiert.
Die Sicherheit der Schnellschnittuntersuchung bezüglich bösartiger
und gutartiger Tumore beträgt 95%, bei den gefährlichen Vorstufen
eines Krebses ist die Methode allerdings leider gering aussagekräftig.
Deswegen ist in solchen Fällen oft eine zweite Operation erforderlich.
Mammasprechstunde
Oberarzt Dr. med. Georgi Tzanov
Brustkrebsdiagnostik, plastische, ästhetische und rekonstruktive Brustoperationen
Voranmeldung erbeten unter Tel.: 47517-428 oder -441.


