Medium 10 [März 2002]
Vom Leitbild zum Behandlungspfad
Autorin: Chefärztin Dr. med. Eva Petzschmann
Ärztliche Direktorin
Leiterin der Abteilung Radiologie

Es hat in den vorangegangenen Monaten in unserem Hause eine intensive Leitbilddiskussion gegeben. Das Ergebnis, von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Spannung erwartet, wird in Kürze vorgestellt. In der Zwischenzeit möchte ich die Aufmerksamkeit auf ein neues Projekt in unserem Hause lenken, die bereits begonnene Arbeit an so genannten "Behandlungspfaden", englisch "Clinical Pathways".

Was bedeutet "Behandlungspfad"?

Von der Krankenhausaufnahme bis zur Entlassung gibt es für die jeweilige Erkrankung einen regelmäßig wiederkehrenden medizinischen und pflegerischen Ablauf, der auch die aufnahme- und entlassungstechnischen Verfahrensweisen enthält. Es handelt sich dabei um kein starres System, aber um einen "Pfad", der die wesentlichen Abläufe enthält.

Diesen "Pfad" in einem Krankenhaus verbindlich festzuhalten, bedeutet zunächst, alle beteiligten Berufsgruppen an einen Tisch zu bekommen, sich Zeit dafür zu nehmen und in der nötigen Offenheit und mit Blick auf das Wesentliche den Behandlungsablauf Schritt für Schritt zu analysieren.

Man kann diesen Pfad mit der Organisation eines guten Orchesters vergleichen. Es muss den Musikern nicht immer wieder aufs Neue das Wesen der Musik erklärt werden, sondern es geht um das gute Zusammenspiel der Musiker in einem bestimmten Stück, im Krankenhaus um das Zusammenspiel aller beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege, im Funktionsdienst, im Ärztlichen und Verwaltungsdienst bei einem definierten Krankheitsbild.

Den ersten und damit vermutlich schwersten Schritt haben wir schon hinter uns gebracht. Unter der Leitung von Dr. med. Altenburger (Medizincontrolling) wurde der erste Behandlungspfad in unserem Hause erfolgreich erarbeitet.

Mit Einführung der Pauschalvergütung in den deutschen Krankenhäusern (Stichwort DRG) sind medizinisch und ökonomisch abgestimmte Prozessabläufe für das erfolgreiche Bestehen einer Klinik überlebensnotwendig.

Ein gut abgestimmtes Konzept entlastet alle beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber nur, wenn sich die Vorgaben an den tatsächlichen Bedingungen des Hauses orientieren. Umgekehrt natürlich auch, wenn einmal eingeschlagene Pfade nicht willkürlich verlassen werden. Es wird begründbare und nachvollziehbare Abweichungen von einer eingeschlagenen Behandlungsweise geben und geben müssen. Es handelt sich bei unserem Behandlungspfad um ein Konzept, in das die Mehrzahl einer Patientengruppe eingebunden werden kann.

Die Chefärzte der Klinik haben sich darauf verständigt, zunächst die zehn häufigsten Krankheitsbilder in diesem Jahr zu analysieren. Wir müssen zügig damit vorankommen und bitten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um konstruktive Mithilfe. Am 23. Oktober 2001 trafen sich die leitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klinik im Kavalierhaus in einem Vorgesetztenworkshop zum Thema Leitbildprozess und diskutierten den "Rohbau" des Leitbildes von Maria Heimsuchung Caritas-Klinik Pankow. Im Leitbildprozess wollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsam langfristige Visionen, Ziele und Strategien ihrer Arbeit festlegen und konkretisieren.